Täter, Verdächtige und mutmaßliche Täter

Da waren die Sprecher beim ARD-Boulevardmagazin „Brisant“ am Donnerstagabend aber sehr korrekt. In einem Bericht über eine Messerstecherei und Schießerei in Mannheim heißt es ungefähr ab 58 Sekunden:

ARD-Mediathek: Brisant – „Als die Polizei eintraf, waren die mutmaßlichen Täter bereits geflohen.“

Sehr genau formuliert, aber Täter an sich gibt es immer bei einer Messerstecherei und Schießerei. Da ist bei dem Mannheimer Sachverhalt nichts anderes zu vermuten. „Mutmaßlich“ wird es erst, wenn die Ermittler bestimmte Menschen verhaften und als Täter benennen. Aber passiert ist auf jeden Fall etwas und es war kein Unfall oder Zufall.

Inzwischen wurden sechs Männer festgenommen. Das sind jetzt „mutmaßliche Täter“ oder Verdächtige.

Der Buchhandel und die Geräusche im Bücherdschungel

Der stationäre Buchhandel scheint bei zwei Geräuschen im Bücherdschungel noch nicht richtig hingehört zu haben: Das eine Geräusch rauscht schon länger donnernd zwischen den Regalen, es klingt wie Wasserfälle des Amazonas. Das andere Geräusch klingt wie der Ruf eines kecken Dschungelvogels: E-Book, E-Book!

Im verlinkten Text geht es nur um das erste Geräusch (Amazon) – aber die Wortspiele waren einfach zu verlockend.

Der kleine Berliner Seitenstraße-Verlag stellt fest, dass der Buchhändler Amazon ein besserer Partner ist als manche kleine Buchhandlung.

Was man als kleiner Verlag so alles mit dem Buchhandel erlebt – Die Rollenverteilung im Buchhandel scheint klar: Amazon ist böse, »der kleine Buchladen um die Ecke« hingegen ein Segen. Wirklich? Wir haben mit unseren Büchern andere Erfahrungen gemacht

Unter anderem habe Amazon Seitenstraße-Bücher sofort lieferbar auf Lager und rechne auch schneller ab.

Inzwischen ist die Geschichte, die ich via Phantanews mitbekam, bei der FAZ angekommen.

Oscar-Prophetie für 2015

Oscars kann man vorhersagen. Ich kann das auch, denn die Acadamy vergibt sie gerne, wenn es in einem Film um einen siechen, kranken, behinderten oder psychotischen Menschen geht. Ich bringe weiter unten einen ganzen Satz Beispiele.

Daher ist es auch 2015 vorhersagbar, welcher Film und welcher Darsteller mit einem der glänzenden Kerlchen nach Hause werden wird.

Das wäre „Die Entdeckung der Unendlichkeit„, ein Film über den Physiker Stephen Hawking, der amyotrophe Lateralsklerose (ALS) hat, eine degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems.

Oder „Still Alice – Mein Leben ohne Gestern„. Julianne Moore spielt die Schriftstellerin Alice Howland, bei der Alzheimer diagnostiziert wird.

(Nachtrag, 23.2.2015: Zwei Treffer.)

In „The Imitation Game“ spielt Benedict Cumberbatch den Mathematiker Alan Turing. Im Film wird er angeblich als „Mann mit sozialen Anpassungschwierigkeiten, Unverständnis für Humor und Ironie und mit gelegentlichem Zwangsverhalten“ dargestellt, sei es aber in Wirklichkeit nicht gewesen.

Vor der Idee her fände ich es ja schön, wenn „Boyhood“ das Zeug zum besten Film hätte, da er rund 12 Jahre lang gedreht wurde.

Wikipedia: Boyhood Das Besondere an dem Film ist, dass die Schauspieler im Verlauf des sehr langen Filmprojekts reell wachsen und altern, sodass die Coming-of-Age-Geschichte realistisch – immer mit derselben Besetzung – inszeniert werden konnte. Die ersten Aufnahmen fanden im Sommer 2002 statt, im Oktober 2013 schloss Linklater das Projekt ab.

Den Titel hätte man natürlich auch mit „Kindheit“ übersetzen können. Bei „Boyhood“ denken altes Säcke wie ich doch erstmal ungewollte an „Boyz n the Hood„.

Oscars nach Schema 2014 bis 1932 Weiterlesen

Ich in „Meedia“

Meedia berichtet über die Krautreporter-Abonenntenumfrage: Umfrage nach Kritik: Die Crowd ist mit Krautreporter zufrieden, aber…

Ich werde namentlich als einer der Kritiker erwähnt, weil ich halt im Loch zwischen den Jahren einen Treffer landen konnte. Aber ich werde von Meedia nicht verlinkt, gemein, wie soll ich denn da auf Klicks mit kaltem Kaffee kommen?

Und es fühlt sich immer noch seltsam an, den eigenen Namen nicht unter, sondern in Artikeln, zu lesen. Wie geht das bloß den Menschen, über die ich schreibe?

„Sehen eine adäquate und kritisch begleitende Berichterstattung als gefährdet“

Sehr geehrter Herr Dr. Bach,
sehr geehrter Herr Englisch,
mit großem Bedauern haben wir die in Ihrem Hause eingeleiteten Konsolidierungsprozesse zu Kenntnis genommen. Sicher steht uns kein Urteil über das
Erfordernis der beschlossenen Maßnahmen zu. Umgekehrt steht den Medien
jedoch ein Urteil über unsere Arbeit zu. Und das ist auch gut so! In den vergangenen Jahren hat sich eine rege politische Meinungsbildung, nicht zuletzt
aufgrund Ihrer Presseberichterstattung, in unserer Stadt entwickelt.
Wir schätzen die Arbeit der Redakteurinnen und Redakteure des Darmstädter
Echos wert, denn die Pressefreiheit garantiert eine freie Meinungsbildung und ist damit Teil unseres demokratischen Grundverständnisses. Mit der Einschränkung
Ihres Angebots durch eine drastische Reduzierung der Mitarbeiter und eine
Zusammenlegung der Lokalredaktionen von Stadt und Landkreis sehen wir eine
adäquate und kritisch begleitende Berichterstattung als gefährdet an. Vor diesem Hintergrund bitten wir Sie, die geplanten Maßnahmen nochmals zu überdenken.


Die Fraktionsvorsitzenden des Weiterstädter Stadtparlaments und der Bürgermeister haben einen Brief an die Geschäftsführer des Medienhauses Südhessen geschrieben. Sie bitten darum die Sparmaßnahmen nochmal zu überdenken. Der Brief war im öffentlichen Teil der Parlamentssitzung am 5. Februar und wurde zur Kenntnis genommen.

Allerdings entscheiden das jetzt inzwischen andere, da das Echo ja an die Verlagsgruppe Rhein Main verkauft wird.

Wenn Satire konkret wird: Soviel „Charlie“ ist nach einem Monat beim Berliner Senat übrig

Aktuell meldet das Blog „Metronaut“, dass es zwei Abmahnungen wegen satirischer Olympia-Plakate bekommen habe: Doppelt abgemahnt wegen Satire-Olympia-Motiven.

Nachtrag: Die Bilder sind wieder online, das Blog sieht diese als zulässige Satire.

Das Blog hatte vermutlich Olympia-Motive von 1936 mit dem Logo und Claim der aktuellen Pro-Olympiakampagne gemixt. Einen Eindruck davon gibt es noch beim Tagesspiegel.

Eine Abmahnung ist angeblich von Land Berlin, schreibt Metronaut:

Um 17:34 folgte dann die Aufforderung des Landes Berlin und des Senats auf Unterlassung der Weiterverbreitung des Artikels mit den satirischen Plakatmotiven.

Soviel ist von „Charlie“ also bei den politisch Verantwortlichen nach ziemlich genau einem Monat übrig, wenn Satire mal (und ja, vielleicht geschmacklos) konkret wird. Und nicht gegen Araber oder Moslems geht.

Und heute morgen twitterte ich noch halb im Scherz: Sind Events, die wie Olympia Spezialgesetze brauchen, überhaupt seriös?

Ich dachte da an das Olympiaschutzgesetz (haben wir), die Steuerbefreiung (wie in London) oder die ganzen Volunteers, die für wenig Geld einen millionenschweren Verein unterstützen.

Telepolis vom 14.7.2012: London wird während der Olympischen Spiele zu einer Steueroase Dem Staat entgehen so über 600 Millionen Pfund an Steuern, wovon Unternehmen, der IOC, Organisatoren, Medien und Athleten profitieren

Ich denke beim Olympiaschutzgesetz immer noch an das was dem Saftblog 2006 unverhofft passierte, weil es ganz unsatirisch einfach Obst in der Form der Olympischen Ringe abgebildet hatte.

„heute-show“, Zeitung und der Einfluss auf den Zusammenschnitt

Ironie der Sache. In gleichen „heute-show“ mit dem durch den Schnitt komplett umgedrehten Zitat, sagt ein AfD-Mitglied (ab 1Min 34sek)

„heute-show“ über den AfD-Parteitag: „Ich kann Ihnen antworten, wenn ich auf den Zusammenschnitt, den Sie machen, auch Einfluss habe“.

Darmstadt im Deutschlandfunk

Deutschlandradio Kultur über den Darmstädter Bürgerhaushalt:

Mitmachen lohnt sich – In manchen Städten der Republik funktioniert das Mitmach-Konzept richtig gut, wie der Blick ins hessische Darmstadt zeigt.

Naja, da muss doch beim DLF mehr drin sein als so ein einseitiger Beitrag. Der Beitrag beim „Qualitätsradio“ „mit viel Sendeplatz für den zweiten Gedanken“ scheint mir nicht tagesaktuell sein, also sind meiner Meinung auch etwas mehr zweite Gedanken mit Hintergrund und Kontext möglich – es geht ja auch nur um Darmstadt, es ist kein Bürgerbeteiligungsquerschnitt durch Hessen oder Deutschland. Weiterlesen

Hui, Wikipedia

Holla, es geht voran 2015, ich bin eine Wikipedia-Referenz:

2014 waren in diesem Magazin die meisten Beiträge von Tilo Jung.[15]

Und Fußnote 15 ist ein Link auf das Blog.

Wobei, mein Katharine Hepburn-Artikel auf der Besserwisserseite ist auch eine Referenz für Wikipedia. Allerdings musste ich mich 2007 noch selber zitieren, nachdem ein Wikipedia-Autor damals dreist ohne Quellenangabe kopiert hatte.