9/11 – Die Flaggen hatte man hängengelassen

Vor 15 Jahren – es war ein Dienstag – fuhr ich bei einem Kollegen mit zur Arbeit nach Frankfurt. Bei Merck wunderten wir uns über deren Flaggen mit Trauerflor, bis uns einfiel, dass ja an die Darmstädter Brandnacht vom 11. September 1944 erinnert wurde.

Im Büro kam irgendwann am Nachmittag die Chefin und erzählt von brennenden Hochhäusern in New York und Washington. Das Internet war überlastet und so bekam man nur Nachrichtenfetzen mit. Auf der Heimfahrt erfuhren wir auch kaum etwas, da die Autoradioantenne kaputt war.

In Darmstadt hatte ich noch einen Termin bei der Bank und dann sollte ich meinen Wohnungsschlüssel bekommen. Erst spät zuhause sah ich im TV am Stück, was alles passiert war.

Am nächsten Morgen ging es wieder zur Arbeit. Die Flaggen mit Trauerflor bei Merck hatte man hängengelassen.

YouTube: Brandnacht in Darmstadt

Die gekalkten Sandsteinlöwen vom Mathildenplatz

Der Löwenbrunnen auf dem Mathildenplatz hieß früher Luisenbrunnen. Er stand auf dem Luisenplatz, bis da der Lange Ludwig gebaut wurde.

Ein Bauzaun umschließt den Löwenbrunnen auf dem Mathildenplatz schon länger. Ich habe mal nachgefragt, warum die Sanierung nicht vorankommt. Es ist jedenfalls kompliziert.

Echo online: Löwenbrunnen muss weiter warten

Was wie abgeplatzt aussieht, ist eine Kalkschicht, die eigentlich auf dem Sandsteinlöwen nicht sein sollte.

5. August 1931: NSDAP-Funktionär Werner Best formuliert Machtergreifungspläne

Die Boxheimer Dokumente sind Pläne für eine gewaltsame Machtübernahme durch die NSDAP. Der Name stammt vom Boxheimer Hof bei Bürstadt und Lampertheim, wo sich im Sommer 1931 hessische Nationalsozialisten getroffen hatten.
Im November 1931 kamen die Überlegungen Werner Bests an die Öffentlichkeit, aber die Reichsjustiz hielt sich zurück.

Wikipedia: Einen Tag nach Veröffentlichung der Dokumente verharmloste Oberreichsanwalt Karl Werner in einem Interview die Boxheimer Dokumente: Die in ihnen beschriebenen Gewaltmaßnahmen richteten sich ja gar nicht gegen die gegenwärtige Regierung, sondern gegen mögliche kommunistische Aufständische (…) Auch im Reichsjustizministerium war man der Ansicht, dass mit den Dokumenten der Straftatbestand des Hochverrats nicht erfüllt sei, denn er setze „beim Täter den Vorsatz gewaltsam die Regierung zu stürzen“ voraus, und eben nicht bloß kommunistische Putschisten.

Der zweite Darmstädter Flughafen

Nach dem Ersten Weltkrieg lag der von August Euler im Griesheimer Sand gegründete Flughafen in der französischen Besatzungszone.

So stellte die Stadt Darmstadt ein Gelände beim Böllenfalltor zur Verfügung. Am 13. und 14. Juli 1924 wurde auf der Lichtwiese ein Flughafen eröffnet. Der Flugplatz war auf Dauer allerdings zu klein und wurde 1934 geschlossen.

Wicki Weißwas: Der 28. Juni in den Jahren 1914, 1919, 1389, 1900 sowie 1989 und 2001

Am 28. Juni ballt sich so einiges auf dem Balkan. Der 28. Juni ist für den serbischen Politiker Slobodan Milošević ein Anfang und ein Ende zugleich. Am 28. Juni 1989 hält er seine sogenannte „Amselfeld-Rede“ mit der er den Zerfall Jugoslawiens einleitete. Und am 28. Juni 2001 wird Slobodan Milošević an das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag ausgeliefert.

Aber der 28. Juni 1989 war nicht von ungefähr der Tag der Amselfeld-Rede, am 28. Juni 1389 war die Schlacht auf dem Amselfeld, damals unterlag ein serbisches Heer einem osmanischen Heer.

Dann war am 28. Juni 1914 der Besuch des österreich-ungarischen Thronfolgers in Sarajewo. Ein Sonntag. Der österreich-ungarische Thronfolger Franz-Ferdinand und seine Frau Sophie besuchen die Provinz Bosnien-Herzegowina, werden während des Sarajewobesuchs gegen 10.45 Uhr angeschossen und sind eine Viertelstunde später tot. Drei Tage später, am 1. Juli, wäre ihr 14. Hochzeitstag gewesen.

Das Unglaubliche für mich an dem Attentat von Sarajevo vor 102 Jahren ist aber das Vorspiel und der Tagesablauf. Weiterlesen

Otto Liman von Sanders

Otto Liman von Sanders, deutscher General, Chef der Militärmission im Osmanischen Reich und später osmanischer Marschall und Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Yilderim („Blitz“). Das Foto ist von 1916.

Im gedruckten Echo ist heute ein Artikel von mir über den General Otto Liman von Sanders, der im Ersten Weltkrieg eine wichtige Rolle in der Türkei spielte. Er soll auch verhindert haben, dass Armenier aus Smyrna deportiert werden.

Da er 1915 erfolgreich die osmanische Halbinsel Gallipoli (die Entente wollte von dort aus Istanbul erobern) verteidigte, wurde er „Löwe von Gallipoli“ genannt und bekam als Kriegsheld – gemessen an den damaligen Maßstäben – in Darmstadt ein Ehrengrab, da hier seine erste Frau begraben ist.

Otto Liman von Sanders starb 1929 im Alter von 74 Jahren und wurde auf dem Alten Darmstädter Friedhof neben seiner Frau beerdigt.

Wicki Weißwas: Traditionsbruch auf der Berliner Samoa-Konferenz 1889

Die Berliner Samoa-Konferenz (29. April bis 14. Juni 1889) war die erste auf der nicht auf der traditionellen Diplomatensprache Französisch verhandelt wurde. Reichskanzler Otto von Bismarck hatte vorgeschlagen auf Englisch zu verhandeln.

Das Deutsche Reich, Großbritannien und die Vereinigten Staaten berieten, wie sie die Samoainseln in der Südsee verwalten wollten.

Wicki Weißwas über die Reflektoren an Fahrradpedalen

Die Idee zu den Reflektoren an Fahrradpedalen hatte Anton Loibl. Ihn wird man kaum kennen, eher den Mann für den er arbeitete: Anton Loibl war 1923 beim Hitlerputsch auf der Seite der Putschisten und war Adolf Hitlers Chauffeur – denn der Führer hatte ja keinen Führerschein.
1936 konnte Loibl, der auch SS-Mann war, seine Verbindungen nutzen und gründete mit der SS eine Firma, um den „Tretrückstrahler“ zu vermarkten. Am 11. Juni 1937 erhielt er ein Deutsches Reichspatent dafür. Um ab dem 13. November 1937 wurde die „Tretstrahler“ Pflicht für alle Fahrräder.

„Darmstädter, 98er, Jude“ – Der SV 98-Vorsitzende Karl Heß

Der Förderverein Liberale Synagoge und der SV Darmstadt 98 stellten im Staatsarchiv den ehemaligen SV 98-Vorsitzenden Karl Heß vor, der 1933 vor der NS-Diktatur erst nach Frankreich und dann nach Brasilien floh.

Echo online: „Und dann merkte ich, der Rechtsanwalt Karl Heß war ja noch was anderes.“ – Das sagte Martin Frenzel vom Förderverein Liberale Synagoge, als er bei Recherchen zu Rechtsanwälten auf Karl Heß stieß.

Die Familie Heß hatte vor 1933 im Fiedlerweg 1 gewohnt. Heß‘ Kanzlei könnte laut der Nachfahren an der Ecke Wilheminen- und Hügelstraße gewesen sein. Seine Ehefrau hatte den Mädchennamen Ranis, sie stammte aus Groß-Zimmern. Friedas Bruder Max Ranis war Karl Heß‘ Sozietätspartner. An die Familie Ranis erinnern seit diesem Jahr .

Einige Mitglieder der Familie Ranis konnten fliehen, darunter war auch Frieda (geb. Ranis), die 1933 mit ihrem Mann Karl Heß Deutschland verlassen konnte. Karl Heß war von 1928 bis 1933 Vorsitzender (entspricht dem heutigen Präsidenten) des SV Darmstadt 98.

Als ich in meine alten Artikel guckte, stellte ich fest, dass der Name Karl Heß mir auch schonmal begegnet war, das war 2009 bei einem Zeitzeugengespräch.

Dass Karl Heß, der letzte SV Darmstadt 98-Präsident vor 1933, gehen musste weil er jüdischen Glaubens war, habe er so nicht mitbekommen, [sagte ehemaliger SV 98-Spieler, der 1933 13 Jahre alt war]. „Schwer vorstellbar“, fand das ein Zuhörer, aber Kretzschmar beharrte darauf, als junger Sportler habe er das nicht mitbekommen. Von der Judenverfolgung und den KZ, habe er erst in englischer Kriegsgefangenschaft erfahren.

Bei den Lilien war er nicht vergessen, wie eine Erinnerung an den 110. Geburtstag 2010 zeigt. Oder ein Artikel aus der SV 98-Mitgliederzeitung von 2009, von dem auch die Überschrift oben im Blogeintrag stammt. Da wurde auch genauer auf Heß‘ Überlegungen zu „Spesenamateuren“ eingegangen:

Dokumentiert im Uffbasse-Blog vom 28. Oktober 2009: Darmstädter , 98er, Jude – Als Vorsitzender des SV98 beschäftigte sich Dr. Heß vor allem mit einer Frage, die den Verein jahrzehntelang begleiten sollte: Bezahlter Sport ja oder nein. (…) Seine damalige Forderung: Eine klare Trennung im sportlichen Wettbewerb zwischen den Vereinen mit “Spesenamateuren” zu denen mit “reinen” Amateuren. Nur so sei der sportlichen Wettbewerbsverzerrung Einhalt geboten. Eine Problematik, die uns heute nur zu bekannt vorkommt, wenn es um die Frage geht, ob man nicht, um Wettbewerbsverzerrung zu verhindern, die Zweitvertretungen der Profiklubs aus der 3. und 4. Liga entfernen sollte.

Wicki Weißwas zum Ende des Mittelalters

Das Mittelalter endete am 30. April 1453.

Ok, so genau kann man das eigentlich nicht sagen, zumal man das damals ja nicht wusste oder so eingeteilt hatte. Aber an den Tag wurde Byzanz von den Osmanen erobert. Und damit war es mit letzten antiken Großmacht vorbei.

Oder war es doch erst 1461? Da wurde das Kaiserreich Trapezunt erobert, das war der letzte verbliebene Nachfolgestaat des Byzantinischen Reichs, der schließlich auch von den Osmanen erobert wurde.

Man könnte das Mittelalter auch um 1440 herum mit Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern oder Columbus‘ Landung in Amerika 1492 enden lassen. Oder doch erst mit Martin Luthers Thesen 1517? Aber es ist irgendwie in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts oder am Anfang des 16., und das kann man sich ja gut merken.