Geständnis bei „Nichts ist für die Ewigkeit“

Ein junges Paar hört im Auto Lied „Nichts ist für die Ewigkeit“ von der Band „Böhse Onkelz“. So fange ich meinen Artikel über den dritten Verhandlungstag um einen Raubmordprozess vor dem Darmstädter Landgericht an.

Ja, Musik kann, wenn der Leser sie kennt, einen Artikel illustrieren. Blöd nur, dass das auch ein ehemaliger Spiegelreporter gemacht hatte, der das Singen dann aber oft erfunden hatte. Und sowas hatte ich beim Schreiben natürlich dann auch im Kopf. Macht die Beschreibung eines Liedes den Text unglaubwürdig? Aber der Ermittlungsführer der Polizei hatte das ja in seiner Aussage so beschrieben. Und ich war nicht alleine im Gerichtssaal, als er weiter beschrieb, was in dem verwanzten Auto geredet wurde. Nämlich, dass der Angeklagte nach der Textzeile „Glaubst du, dass ich Kinder töten kann?“ gegenüber seiner Freundin ein Geständnis machte.

Odenwälder Echo: Geständnis im verwanzten Auto

Ein Prozess durch alle Jahreszeiten

Die Justizia auf dem Darmstädter Justizzentrum im Frühling, Sommer, Herbst und Winter.

Die Justizia auf dem Darmstädter Justizzentrum im Frühling, Sommer, Herbst und Winter.

Das habe ich auch noch nicht erlebt, ein simpler Raub und dann stellt ein Verteidiger Antrag um Antrag, so dass der Prozess am Ende 25 Verhandlungstage hat und damit fast ein Jahr dauerte. Für einen Fall, der meiner Einschätzung nach, mit sechs bis acht Terminen hätte abgearbeitet sein können. Es gab zwei Geständnisse und recht eindeutige Indizien.

Echo online: Haftstrafen nach Raubüberfall in Beerfelden

Aber der eine Verteidiger war schon bei anderen Gerichten damit aufgefallen, dass Verfahren mit ihm länger dauern können.

Echo online, 11. März 2019: Sieben Monate Prozessdauer

Neulich im Gericht: Raub, Diebstahl, räuberischer Diebstahl

Die Justizia auf dem Darmstädter Landgericht.


Als Gerichtsreporter komme ich mir ja ein wenig wie ein Dauer-Jurapraktikant vor. Freitag war mal wieder eine neue Lektion. Jeder kennt Diebstahl und Raub. Beim Raub bekomme ich mit, wenn mir einer was wegnimmt, weil er mich vorher oder dabei bedroht. Diebstahl geht ohne drohen, vielleicht merke ich es. Jetzt gibt es aber auch räuberischen Diebstahl.

Beim Raub wird vor dem „Besitzübergang“ gedroht, beim räuberischen Diebstahl danach. Wenn man den Diebstahl bemerkt hat und sein Eigentum wieder haben will und der Dieb dann zur Beutesicherung einem beispielsweise ein Messer entgegenhält.

Und dann war beim Prozess am Freitag auch noch das Delikt „Diebstahl mit Waffe“. Das heißt, der Dieb hatte die Waffe, zum Beispiel im Rucksack, dabei.

Echo online: Der einen Haftstrafe folgt die nächste