Waldkunstpfad – Kunst im Bessunger Forst

Riesenholzfüße, Seerosen aus Pappe auf dem Goetheteich, ein Haus ohne Dach oder eine kleine Wasserrinne geben dem unbedarften Spaziergänger zwischen Herrgottsberg und Ludwigshöhe Rätsel auf.

Es sind Kunstwerke des diesjährigen Waldkunstpfades (www.waldkunst.com). Die Füße stammen von Jems Koko Bi von der Elfenbeinküste und symbolisieren wie der Mensch durch die Natur schreitet, aber auch den Kontakt zwischen Mensch und Natur. Das Haus ist ein Werk Walter van Broekhuizens, es soll für das Leben in der Einsamkeit stehen. Der Niederländer Broekhuizen wurde dazu von dem dem Roman „Walden. Oder das Leben in den Wäldern“ von Henry David Thoreau inspiriert. Aber keine Kunst ohne Bürokratie. Das Haus hat kein Dach, weil sonst eine Baugenehmigung notwendig gewesen wäre.

Kuratorin Ute Ritschel hat 15 Künstler unter anderem aus Argentinien, Deutschland, Italien, Portugal, den Niederlanden, Schweden, den USA gewinnen können. Alle zwei Jahre organisieren sie und der Verein für Internationale Waldkunst einen Kunstpfad im Bessunger Forst. Dieses Jahr ist das Thema „Kreisläufe und Systeme“. Teilweise binden die Werke Objekte früherer Ausstellungen mit ein. Massimo de Giovanni hat gegenüber einem hölzernen U-Boot aus einen vergangenen Waldkunstpfad „Chaiselongues“ erbaut. Diese Sitz- und Liegegelegenheiten kann man aber auch als Wellen auffassen, die auf das U-Boot zulaufen. Das bei Kindern beliebte Boot ist übrigens eines der wenigen Werke, das permanent gepflegt und erhalten wird. Einige Werke sind auch ganz bewusst nicht für die Ewigkeit. So ist Regina Franks „Solarkleid“ auf der Sternwarte inzwischen vom Wind zerzaust.

Viele grüne Oasen in Bessungen Darmstadt prämiert schönste Vorgärten

Wasserläufer huschen über den kleinen Teich im Garten von Anja und Holger Swars im Bessunger Langgässerweg. Den Teich haben die Gewinner des Darmstädter Vorgartenwettbewerbs vor drei Jahren angelegt. Das Gewässer ist eines von vielen „Gartenzimmern“ der Swars, die im Laufe der Jahre entstanden. „Das war eine Entwicklung“, schildert Anja Swars. „Der Bessunger Boden ist ein Sandboden, der trocknet schnell aus.“ Mit der Zeit habe man gesehen was geht und was nicht. Beispielweise stellen sie fest, dass der Rasen im Nordwestteil nicht gut wuchs, also wurde dieser Teil durch Kies ersetzt. Nach und nach wurde so aus dem von den Vorbesitzern übernommenen Koniferengarten (Nadelbäume) ein offener Garten, unter anderem mit Küchenkräutern, Rosen und Rasen. Im Teich sorgen beispielsweise Posthornschnecken und Fische wie Moderlieschen dafür, dass die Algen nicht die Oberhand bekommen, „Plötzlich hat sich ein Gleichgewicht eingestellt“, schildert Holger Swars den ökologischen Erfolg.

Ideen holt sich das Paar auf Gartenausstellungen, so waren sie im September in Schloss Wolfsgarten, dem letzten Wohnsitz der Großherzöge von Hessen-Darmstadt. „Die Planung machen wir selbst“, sagt Anja Swars, für bestimmte Arbeiten hole man sich aber Fachleute ins den Garten. Für 2009 will sie einen Steingarten mit Rosen vor dem Wohnzimmerfenster in Angriff nehmen.
Umweltdezernent Klaus Feuchtinger lobte den Beitrag zum Stadtleben: „Unser Stadtbild wird zunehmend beherrscht von Beton und Asphalt. Umso dringender sind alle Aktivitäten zur Aufwertung und Verschönerung des unmittelbaren Wohnumfeldes. Ein schöner Vorgarten oder eine nach eigenen Ideen begrünte Fassade trägt zur Lebensqualität in der Straße und im Stadtteil unmittelbar bei.“

Insgesamt 18 Bewerbungen lagen der Jury vor. Den 1. Preis gewann Anja Swars im Langgässerweg, den 2. Preis sicherten sich Ruth und Egon Treff im Zeyherweg. Der dritte Preis wurde zweimal vergeben: An Familie Ritter, in der Heidelberger Landstraße sowie an Else und Hans Loos im Elly-Heuss-Knapp-Weg. Vierte Preise erhielten Ulrich und Karin Omonsky in der Weinbergstraße, Alma Metha-Bissinger in der Gundolfstraße, Gerd Ritter in der Roßdörfer Straße und Myriam Buekens-Gonschorek in der Viktoriastraße.

(Erschienen im September 2008 in „Die Lokale Zeitung“.)

US-Gelände wird frei – und Darmstadt größer

Eingang der Cambrai-Fritsch-Kaserne.

Darmstadt wird größer. Und das ohne, dem Landkreis etwas wegzunehmen. Ab September werden der Stadt die Kasernen und Siedlungen der Amerikaner zur Verfügung stehen. Die US-Armee hatte vergangenes Jahr – etwas überraschend – beschlossen abzuziehen.

Die Wohngebiete Jefferson-, Lincoln- und St. Barbara Siedlung haben zusammen rund 36,1 Hektar. Die Kasernen Kelly-Barracks, Nathan-Hale-Depot und Cambrai-Fritsch-Kaserne umfassen insgesamt 85,6 Hektar. Bis Ende 2008 werden die Flächen zum größten Teil geräumt sein. Die Konversionsflächen werden allerdings nicht der Stadt, sondern der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) übergeben werden.

In ihren Antworten auf eine große Anfrage der CDU-Fraktion im Stadtparlament legt die Stadt dar, dass sie plane den überwiegenden Teil der Konversionsflächen für Wohnungsbau zu nutzen. Dies betreffe die Wohngebiete und die Cambrai-Fritsch-Kaserne. Für die Kelly-Barracks und das Nathan-Hale-Depot ist eine gewerbliche Nutzung vorgesehen.
Wie eine Wohnbebauung für eine ehemalige Kaserne aussehen könnte, zeigt Mainz.

Dort wurde ab 2004 ein ehemaliges Panzerwerk zum Wohngebiet Gonsbachterrassen. Auf rund 36 Hektar entstehen rund 620 Wohneinheiten. Gutachter stellten fest, dass bestimmte Anteile an Reihenhäusern (20%), Einzelhäusern (60%) und Geschosswohnungen (20%) den Bedarf und die Ansprüche der Stadt an das Wohngebiet decken würden. Man wollte jungen Familien ein Wohngebiet anbieten, damit sie nicht aus Preisgründen ins Umland ziehen, erklärte der Mainzer Bürgermeister Norbert Schüler auf einer CDU-Veranstaltung Enden Februar im Jahn-Saal der Comedy Hall. Damit nicht jeder baut wie es ihm gefällt, gibt es zusätzlich zum Bebauungsplan einen Städtebaulichen Vertrag, der Vorgaben für Dächer oder Zäune aufstellt. Nur wer sich mit seinen Plänen nach diesen Vorgaben orientiert, dem wird ein Grundstück verkauft. Da das Gelände den Mainzer Stadtwerken gehört, hat die Stadt letztendlich die Kontrolle.

Folgt man Günther Ingenthron, Leiter des Mainzer Stadtplanungsamtes, benötige die Stadt für das Konzept Städtebaulicher Vertrag, einen Eigentümer, der die gleichen Ziele wie die Stadt hat. In Mainz habe man deswegen bewusst nicht an einen Bauträger verkauft.

In Darmstadt hat die Stadt Satzungen über ein besonderes Vorkaufsrecht erlassen. Weiterhin wurden Aufstellungsbeschlüsse für Bebauungspläne gefasst und die Wohngebiete wurden im Flächennutzungsplan als Wohnbauflächen ausgewiesen. Die Stadt will voraussichtlich die Flächen jedoch nicht kaufen.

Den städtebaulichen Entwurf für das ehemalige Mainzer Panzerwerk machte das Darmstädter Büro „Planquadrat“ der Architekten Elfers, Geskes und Krämer. Herbert Elfers sieht das Gelände der Cambrai-Fritsch Kaserne zwischen Bessungen und Ebertstadt ähnlich hochwertig wie die Mainzer Gonsbachterrassen. Möglicherweise sei es durch die Lage am Wald sogar besser, schätzt er vorsichtig. Elfers warnte davor, die Konversionsflächen ohne weiteres zu vergleichen. Der Ernst-Ludwig-Park habe wegen seiner Lage andere Entwicklungsmöglichkeiten gehabt, als sie die anderen Konversionsflächen hätten.

Oberbürgermeister Walter Hoffmann kündigte auf einer Bürgerversammlung in Eberstadt an, ein Drittel der Konversionsflächen für Gewerbe einzuplanen und den zwei Drittel für Wohnbebauung. „Wir bekommen einen große Chance“, sagte er, denn Darmstadt sei im Norden durch die Flughafen-Lärmkeulen in seinen Siedlungen eingeschränkt und im Westen verlaufe die Autobahn.

Ziel müsse es daher sein preiswerte Wohnungen für Familien zu schaffen, erklärte Hoffmann. Sowie Wohnungen für das mittlere und höhere Management Darmstädter Unternehmen. Mit höheren Steuereinnahmen habe das aber nichts zu tun, erklärter der OB. Diese Gruppe hier zum Wohnen zu bringen sei Standortvorsorge, erklärte Hoffmann. „Wenn man hier nicht wohnt, hat man keine Bindung zur Stadt.“ Einen Beleg für diese These liefert der Umzug der Frankfurter Börse nach Eschborn. Dem vernehmen nach wohnt keiner der Top-Manager in Frankfurt.

(Erschienen im März 2008 in „Die lokale Zeitung“)

Die gesamte Feldpost läuft über Darmstadt

Die Postleitzahl „64298 Darmstadt“ kennt jeder, der einen Brief an einen Bundeswehrsoldaten im Ausland schreibt. Denn über die an der Grenze zu Eberstadt auf Pfungstädter Gemarkung liegende Major-Plagge-Kaserne (ehemals Frankenstein-Kaserne) läuft die gesamte Feldpost für Bundeswehrauslandseinsätze. Die Marine-Feldpost läuft allerdings über die Flottillen, die die Post an die einzelnen Einheiten im Einsatz auf den Ozeanen weiterleiten.

Da Soldaten im Krieg oder Einsatz immer unterwegs sind, haben sie keine feste Adresse. Und zudem könnte ihr genauer Aufenthaltsort aus taktischen Gründen geheim sein. Dieses problem löst die Einrichtung Feldpost. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es bei der Bundeswehr lange Zeit keine Feldpost. Die wurde bei der Bundeswehr erst 1982 wieder eingeführt, nachdem man festgestellt hatte, dass 1980 bei der Erdbebenhilfe in Neapel Post nur sehr umständlich verschickt werden konnte. 1992 begannen dann die Bundeswehreinsätze im Ausland, die die Feldpost als Dauereinrichtung wieder notwendig machte.

Die Feldpostleitstelle sortiert und verteilt auf die Einsatzgebiete. Als Luftfracht oder mit einer Spedition kommt die Post aus und in die Einsatzgebiete. In einem Monat laufen etwa 70.000 Briefe und etwa 10.000 Pakete durch die Feldpostleitstelle, im Dezember können es aber auch schon 100.000 Briefe und 20.000 Pakete werden. Die Post ist – je nach Einsatzland – nach etwa sieben Tag am Ziel.

Seit 1991 ist die Bundeswehr regelmäßig im Ausland. Die ersten Einsätze waren 1991 Minenräumen im Persischen Golf und 1993 ein Feldlazarett in Kambodscha. Die Post nach Bosnien-Herzegowina und in den Kosovo kommt mit LKW, Afghanistan, Georgien und Usbekistan werden mit Frachtflugzeugen versorgt. Die Feldpost kommt, anders als die normale Post, ohne viel Technik aus. Jede Sendung wird dokumentiert und dafür reicht, fast wie im Einsatz, eine olivegrüne Kiste mit Belegen und Stempeln.

Selbst mit modernen Kommunikationsmitteln wie Handy, Internet und E-Mail hat die Feldpost noch ihre Funktion. Ohne Netz oder Strom gibt es kein World Wide Web. So ist die Feldpost die beste Verbindung der Soldaten zu ihren Freunden, Partnern und Familien. Die Bedeutung der Feldpost könne man auch an den Einsatzorten erkennen, erklären die Soldaten. Wenn Hilfe bei der Post benötigt wird, sind viele Soldaten schnell bereit mal eben anzupacken.

„Wenn wir wenige Kinder haben, sollten das kluge Kinder sein.“ – Rürup, Bofinger, Dörre und Giegold

Vier Fernseh-Talkshow gestählte Diskutanten trafen sich Freitag zur Podiumsdiskussion im Elektrotechnik-Hörsaal der Technischen Universität zum Streitgespräch über Alterung und Globalisierung. Eingeladen hatten der Darmstädter DGB und Attac-Darmstadt die Volkswirtschaftsprofessoren Bert Rürup von der TU Darmstadt, Peter Bofinger von der Universität Würzburg, den Soziologieprofessor Klaus Dörre von der Universität Jena sowie Sven Giegold, Sprecher von Attac Deutschland. Bofinger und Rürup sind Mitglieder des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, zwei von fünf der so genannten „Wirtschaftsweisen“.
Die Globalisierung sei nicht das Problem für die deutsche Sozialversicherungssystem sagte Bert Rürup zu den rund 250 Zuhörern. Die Schweiz und die Niederlande hätten ähnliche Strukturen, aber stabile Alterssicherungssysteme, erklärte der Volkswirtschaftler. Aber dort sei die Sozialsystem-Finanzierung von den Löhnen abgekoppelt, laufe über Steuern und zur Alterssicherung gebe es eine Mischung aus staatlicher und privater Vorsorge.

Ob die Rente über ein Umlagesystem finanziert werde oder über ein System mit Zinsen aus Kapitalanlagen, sei eine politische Entscheidung, meinte Rürup. Beide Systeme hätten Vor- und Nachteile. Das Umlagesystem sei sofort einführbar aber alterungsempfindlich, die Kapitalanlage könne man von der Nationalökonomie abkoppeln aber sie unterliegt einem Wechselkursrisiko.
„Welche Generation belaste ich?“, sei daher die Entscheidung die man treffe, wenn man sich zwischen den beiden Systemen entscheide. Inzwischen tendierten die meisten Staaten der Erde zu Mischsystemen, nach dem Motto „Lege nie alle Eier in einen Korb.“ Deutschland sei auf dem Weg 60 Prozent der Altersvorsorge aus der Rentenversicherung zu bezahlen und zu 40 Prozent aus privaten Erträgen. Früher sei die Verteilung 80 zu 20 gewesen.

Klaus Dörre sagte, dass Globalisierung kein Sachzwang für Reformen sei. „Das ist völliger Unfug.“ Dies zeigten schon die verschiedenen funktionierenden Sozialstaatsmodelle in den europäischen Ländern. Er kritisierte an den deutschen Reformen, dass sie „den Trend zur Spaltung der Gesellschaft verstärken“. Schafften früher 70 Prozent der Beschäftigen den Sprung von unsicheren Jobs zu sicheren Arbeitsplätzen, seien es aktuell nur 30 Prozent. „Die Reformen setzen auf das aktive unternehmerische Selbst“, beschrieb er. Dabei werde aber vergessen, dass ökonomische-rationales Denken soziale Voraussetzungen wie Zukunftssicherheit benötigen. „Das wissen Soziologen und vergessen Ökonomen“, stichelte er. Zudem schaffe die Furcht vor einem Statusverlust in Deutschland einen disziplinierenden Druck. „Ein Fehltritt und man ist unten.“ Er befürchte durch die Arbeitsmarktreformen eine „Welle von Altersarmut“, weil die Menschen in unsicheren Arbeitsverhältnissen kein Geld für die private Vorsorge sparen könnten. Rürup stimmte zu. Zwei Prozent der Rentner hätten Anspruch auf Grundsicherung, „das werde sich ändern“, warnte der Volkswirtschaftler. Daher müsse man bei niedrigen Renten das System attraktiver machen.

Peter Bofinger, Volkswirtschaftsprofessor an der Universität Würzburg betonte, dass Globalisung kein Nullsummenspiel sei. Alle würden gewinnen, denn „Globalisierung vergrößert die Torte“. Nur drei Länder von 135 seinen seitdem ärmer geworden, allerdings sei Deutschland bislang „nicht so richtig reich“ geworden. „Globalisierung hat auch Schattenseiten“, schränkte Bofinger ein. Dies seien eine ungleiche Einkommensverteilung und schlechtere Arbeitsmarktchancen für schlecht qualifizierte Mitarbeiter. Drei Dinge könnten dagegen wirken, zählte der Wirtschaftsweise auf: Mindestlöhne oder verbindliche Tarifverträge, gute Bildung und eine negative Einkommenssteuer. Bei der negativen Einkommensteuer bekommen Arbeitnehmer mit niedrigen Einkommen vom Staat einen Zuschuss. Die Befürworter dieses Systems sehen darin den Vorteil, dass man diejenigen unterstützt, die arbeiten. Zudem vermeide das System Bürokratiekosten wie Bedürftigkeitsprüfungen.

Bildung ist für Bofinger auch die Antwort auf die alternde deutsche Bevölkerung. Die Akademikerarbeitslosenquote liege bei vier Prozent. „Wenn wir wenige Kinder haben, sollten das kluge Kinder sein.“Aber leider gebe es eine absurde Situation. „Die Angst vor der Staatsverschuldung ist in Deutschland größer als die vor einer schlechten Bildung.“ Klaus Dörre warnte vor zu viel Optimismus. In der Berliner Kulturwirtschaft arbeiteten viele Akademiker aber die Hälfte der dort Beschäftigten verdienten ungefähr 800 Euro im Monat. Zudem zwinge der Druck von Hartz IV höher Qualifizierte in Jobs aus denen sie niedrig Qualifizierte verdrängten.

Sven Giegold, Deutschlandsprecher der globalisierungskritischen Organisation Attac, widersprach Bofingers positiver Sichtweise der Globalisierung. „Reale Globalisierung ist etwas anderes als die Lehrbuchglobalisierung.“ Große Teile des Welthandels verliefen unfair. Daher hinterlasse der Handel zur Zeit Länder, die davon geschädigt werden. Giegold bemängelte, dass das die Ungleichheiten zwischen Arm und Reich zunähmen, was Rürup zu widerlegen versuchte. Der Gini-Koeffizient, der ungleiche Verteilung von Einkommen und Vermögen in einer Volkswirtschaft angebe, sei seit Jahren gleich, sagte Rürup, wenn man die Umverteilung durch das deutsche Steuer- und Abgebensystem berücksichtige. Daraufhin führte Giegold Daten aus den vergangenen Jahren an, die darauf hinweisen, dass sich dies zum Nachteil der ärmeren Bevölkerungsgruppen verschiebe.

Er kritisierte weiter, dass Kapitalvermögen immer schwerer zu besteuern seien, weil Geld mobil sei. Er plädierte für europaweite Regelungen zur Kapitalbesteuerung. Bert Rürup widersprach auch hier. Nationale Lösungen seien möglich. So hätten die skandinavischen Länder niedrige Kapitalsteuern aber hohe Lohnsteuern. Und mit hohen Umsatzsteuern finanzierten sie ihre Sozialsysteme, beschrieb Rürup. „Ein sinnvolles System.“ Auch Bofinger stand einer EU-weiten Lösung skeptisch gegenüber. „Skandinavien und Österreich schaffen das doch auch“, führte er als Beispiele an. Und wenn dies diese Länder mit wenig Bevölkerung schafften, müsste es doch auch in Deutschland funktionieren.

Professorin entdeckt im Wella-Archiv Karikaturensammlung

Zur Zeit gibt es im Wella-Museum eine doppelte Premiere zu sehen. Die Wella zeigt in ihrem Museum zum ersten Mal historische Karikaturen aus ihrem Archiv über Modetorheiten aus vergangen Jahrhunderten. Und zum ersten Mal werden im Museum Bilder ausgestellt, erklärte Professorin Annette Geiger. „Die ältesten Karikaturen gehen ins 17. Jahrhundert zurück“, gab sie einen Überblick über die Ausstellung mit Werken von Honoré Daumier, Grandville und Kollegen. Sie skizzierten mit spitzer Feder die Perückenmode im 18. Jahrhundert, als man „hoch hinaus“ wollte und überall anstieß. Spätere Abbildungen sind aus dem 19. Jahrhundert und nehmen den Automatisierungsdrang auf Korn. „Die Hintergrunderläuterungen machen die Ausstellung etwas textlastig“, sagte die Wella-Stiftungsprofessorin für Mode und Ästhetik an der Technischen Universität Darmstadt, aber schließlich sei die die Ausstellung auch eine Seminararbeit an der TU gewesen.

25 Studierende hatten ein Semester daran gearbeitet, die Hintergründe zu den Karikaturen recherchieren und dabei teilweise auch Übersetzungsarbeit zu leisten. Auch gelang es zu bestätigen, dass es in Perücken tatsächlich Fallen für Flöhe gab. Wie sie funktionierten, war nicht mehr herauszufinden, „aber es gab sie“, erklärte Geiger (die seit 2009 an der Kunsthochschule Bremen lehrt).

Das Wella-Museum in der Berliner Allee 65 hat regulär Montags bis Freitags zwischen 10 und 17 Uhr geöffnet. Die Karikaturen-Ausstellung zu „Lust und Laster der Mode“ läuft bis zum 31. Januar.

Städtische Kliniken Eberstadt werden schrittweise verlegt

Das Darmstädter Klinikum erwirtschaftete im Jahr 2006 ein Defizit von rund acht Millionen Euro. Vor diesem Hintergrund entstanden Überlegungen zu organisatorischen und strukturellen Änderungen, sagte Stadtrat Dierk Molter (FDP) in einem Gespräch mit „Die Lokale Zeitung“. Schon Anfang des Jahres 2007 sei deutlich geworden, „dass man einiges tun müsse, um auf eine wirtschaftliche Basis zu kommen“, sagte der für das Krankenhauswesen zuständige Dezernent.

So entstanden Überlegungen langfristig die Darmstädter Kliniken am Standort in der Grafenstraße zusammenlegen, berichtete Molter. Zudem könne man so Reibungsverluste durch die regelmäßigen Transporte zwischen den beiden Kliniken minimieren. Der Standort Eberstadt werde dafür aufgelöst.

„Das passiert aber nicht von heute auf morgen“, schränkte Stadtrat Molter ein und betonte: „Das Klinikum in Eberstadt bleibt für die nächsten Jahre erhalten.“ Wann die Verlegung in die Innenstadt spätestens abgeschlossen sei, konnte Molter nicht sagen. Der Dezernent wollte sich auf keine Jahreszahl festlegen, da dies unter anderem von den Finanzierungsmöglichkeiten abhänge. Wenn, dann findet die Verlegung schrittweise statt. So zog im April die Angiologie (Erkrankungen von Blut-und Lymphgefäßen) aus Eberstadt in die Innenstadt.

In die freigewordenen Räume zog die Eberstädter Neurologie ein, die so etwas mehr Platz hat. Wenn der Neubau der Medizinischen Kliniken in der Grafenstraße – voraussichtlich Ende 2008 – fertig ist, könnten die medizinischen Kliniken dort zusammengeführt werden, sagte Molter.

Dass ein Umzug noch nicht vor der Tür steht, belegt auch die Anschaffung eines Kernspintomographen, der Mitte Oktober in Eberstadt eintraf und der in einem eigenen Gebäude steht. „Geräte wie diese sollen die Attraktivität des Klinikums insgesamt steigern“, erklärte der Stadtrat. „Ziel ist es Wirtschaftlichkeit und Qualitätssteigerung ins Klinikum zu bringen.“

Korrekt schiefe Radrennbahn bekommt letzten Schliff – Einweihung am 11. August

Feines weißes Pulver bedeckt den Beton. Der Radrennbahn an der Heidelberger Straße zwischen Landskron- und Cooperstraße werden die letzten Unebenheiten abgeschliffen. „Die Maschine dazu hat uns ein Mitglied gebaut“, sagte Georg Bernius, Vorsitzender des Velociped Clubs Darmstadt (VCD). Die ein Rasenfeld umgebende 333,33 Meter lange und sechs Meter breite Betonbahn steht vor ihrer Vollendung. Hessen wird bald wieder eine wettkampftaugliche Radrennbahn mit 33 Grad Kurvenüberhöhung haben. Die 333 Meter Länge ergeben sich daraus, dass man so nach drei Runden 1000 Meter zurückgelegt hat.

Nachdem es die Bahn im Frankfurter Waldstadion nicht mehr gab, waren Hessen und der Hessische Radsportverband nämlich aus offiziell bahnlos. Die Darmstädter Bahn aus den fünfziger Jahren hatte nur eine Kurvenüberhöhung von 12 Grad – zu wenig für Wettkämpfe und die speziellen Bahnräder, die nur einen Gang und keine Bremse haben. 1998 stellte der Velociped Club Darmstadt zum ersten Mal einen Antrag beim Bau einer neuen Bahn unterstützt zu werden. Inzwischen wurde die VCD-Radballabteilung Opfer ihres Erfolges, die 18 Meter mal 12 Meter große Halle hinter der Bahn wurde zu klein für die vielen Mannschaften. So stellte der Verein 2002 einen Antrag für eine Halle. „Zwei Anträge wird es aber nie geben“, war dem 1. Vorsitzenden Bernius klar. Ende 2004 kam dann die Aufforderung vom Land beide Anträge zu einem zusammenzulegen. Denn Bahnradler brauchen ebenfalls eine Halle. „Wenn es auf der Bahn regnet, wird’s gefährlich“, erklärt Georg Bernius, auf der glatten Bahn fahren die Radler schließlich bis zu 70 Stundenkilometer schnell.

Im Sommer 2006 war Spatenstich. Für insgesamt 1,6 Millionen Euro von Land, Stadt und VCD wurden Bahn und Halle gebaut. 800.000 Euro kamen vom Land, das Ende 2004 das Sonderinvestitionsprogramm „Sportland Hessen“ aufgelegt hatte. Mit dem Programm wurden insgesamt 24 hessische Sporteinrichtungen gefördert, darunter auch das Fußballstadion „Bieberer Berg“ in Offenbach. Die Stadt Darmstadt steuert verteilt über die Jahre 2005 bis 2008 insgesamt 400.000 Euro bei. Vom Verein kamen 100.000 Euro in bar, und Eigenleistungen im Wert von 300.000 Euro. „Gemauert haben wir alles selbst“, beschreibt Bernius einen Teil des Engagements der 220 Mitglieder, die in der Halle auch Strom und Installation legten. Und dabei mehr leisteten, als man erwarten konnte.

„Wir sind ja ein Sport- und kein Bauverein“, gab Radballjugendtrainer Peter Dörr zu bedenken. „Aber so haben wir drei Preiserhöhungen und die Mehrwertsteuererhöhung abgefangen“, erinnerte sich Bernius. Die neue Halle schließt an die bestehenden Gebäude an und ist mit 28 Meter auf 20 Meter deutlich größer. In die alte Halle passt nur ein Feld, die neue Halle bietet Plat für zwei Felder beziehungsweise in der Hallenmitte eines in internationaler Größe.

Der Bahnbau war Neuland für die beteiligten Unternehmen. Die einzige Firma in Deutschland, die Erfahrung im Radrennbahnbau hat, war den Bauherren nämlich zu teuer, Erfahrung seit 1925 hin oder her. Aber das Ingenieurbüro „Wörner und Nordhues“ sei der Ansicht gewesen, dass es beim Bau keine Monopole geben dürfe, sagte Bernius. Dem Verein ging es bei der Finanzierung vor allem darum sich mit dem Projekt nicht zu überheben. So wurde von die Kalkulation von hinten aufgezäumt. Der Verein teilte mit wie viel Geld zur Verfügung steht, und die Ingenieure und Architekten planten auf Basis dieses Budgets. Daher ist die Halle auch nur eine Halle ohne große Sonderausstattung.
Offiziell geht es auf die nun korrekt schiefe Bahn am 11. August. Nach der Begrüßung um 16.30 Uhr wird sie um 17.30 Uhr mit einem Steherrennen eröffnet. Bei Steherrennen fährt ein Motorrad vor den Radfahrern. Der stehende Fahrer erzeugt einen Windschatten und der Rennradler dahinter versucht in diesem zu bleiben. Deswegen fährt das Rad sehr dicht auf das Motorrad auf, was den falschen Eindruck vermittelt es würde gezogen. Wenn alles klappt, dann zieht aber nur der Sog. Steherrennen können mit über 100 Stundenkilometern gefahren werden.

Man kann zur Radrennbahn auch mit der Straßenbahn kommen, erinnert Georg Bernius. Von der Haltestelle Landskronstraße sind es nur fünf Minuten zu Fuß bis zur Radrennbahn. Und man hat kein Parkplatzproblem. Bis August muss die Bahn noch den letzten Schliff bekommen. Aber auch Diamantschleifer halten nicht ewig. „Montag muss ich wieder einen besorgen“, sieht Bernius kommen.
Internet: http://www.vc-darmstadt.org

Alles ist zitatreif

„Ich hoffe doch Sie werden mich erwähnen“, sagte der Darmstädter FPD-Parteivorsitzende Leif Blum zu mir, bei einem Spatenstich zu einem Teil der Nordostumgehung, während der Ansprachen des Oberbürgermeisters und Baudezernenten. „Na klar“, grinste ich, blätterte in meinem Notizblock zurück und zeigte ihm die Passage, die ihn am nächsten Tag in die Zeitung gebracht hatte: „Denen in den schwarzen Kutten muss doch warm sein“, überlegt Leif Blum (FDP).

Mann im Johannesviertel niedergestochen

Eime Polizeipressemitteilung: Heute, Freitag den 25.05.07 gegen 18.00h, hat ein 45-jähriger Darmstädter einen 71-jährigen Mann im Johannesviertel mit einem Steakmesser niedergestochen. Der Geschädigte war gerade dabei in seinem Vorgarten die Rosen zu schneiden als der Täter auf ihn zutrat und ihm ohne jegliche Vorwarnung einmal in den Bauch stach. Nach sofort eingeleiteter Fahndung konnte der Messerstecher noch in unmittelbarerer Nähe des Tatortes durch Polizeistreifen festgenommen werden. Der Geschädigte wurde durch die Messerattacke im Bauchbereich schwer verletzt und mußte stationär im Krankenhaus versorgt werden. Lebensgefahr besteht zur Zeit jedoch nicht. Offensichtlich handelt es sich um einen geistig verwirrten Täter, zum Tatmotiv dauern die Ermittlungen noch an.

Ich war an dem Mann einige Minuten vorher vorbeigelaufen, weil die Haltestelle an der er saß, mein Weg zum Tegut in der Kasinostraße war. Auf dem Rückweg überlegte ich, ob ich einen Bogen um die Haltestelle mache, weil der Mann so finster geguckt hatte. Aber auf dem Rückweg sah ich dann, dass Polizei und Rettungsdienst an der Haltstelle standen.