Januar 1914 – „… zum Vernichtungskampf gegen die Deutschen rüsten …“

Krieg war ja Mittel der Politik, wie auch ein Artikel in einer russischen Publikation zeigt. Die russische Militärzeitschrift „Raswetschik“ (Aufklärer) zeichnet im Januar 1914 eine Vision eines deutsch-russischen Krieges:

„Doch nicht nur die Truppe, das ganze russische Volk muss daran gewöhnt werden, dass wir uns zum Vernichtungskampf gegen die Deutschen rüsten und dass die deutschen Reiche vernichtet werden müssen, auch wenn wir dabei Hunderttausende von Leben verlieren müssen.“

Aus deutscher Sicht passt das zu der Anfang Januar erschienen Artikelserie einer französischen Zeitung über die russische Militärmacht.

Diskussion zu Schlafwandler oder Brandstifter?

Die (ich vereinfache) Historiker Gerd Krumeich (Heinrich-Heine Universität), Herfried Münkler (Humboldt-Universität) und Sönke Neitzel (London School of Economics and Political Science) diskutierten am 24. Januar bei einer gemeinsamen Veranstaltung der Körber- sowie Gerda-Henkel-Stiftung (History@Debate) über die Ursachen des Ersten Weltkrieges.

welt.de: „Schlafwandler“ oder „Brandstifter“ – Auf einem Berliner Podium haben Wissenschaftler über die Ursachen des Ersten Weltkriegs gestritten. Die Frage der Verantwortung stellt sich 100 Jahre später neu.

Von der Diskussion gibt es ein 105 Minuten langes Video (auch) bei der Gerda-Henkel-Stiftung. Richtig los geht es ungefähr ab der achten Minute. Es geht auch nicht nur um den Kriegsausbruch, sondern auch um Wissenschaftspolitik und wie welche Trends die Forschung beeinflussen.

28.1.1914 – Russische Regierung engagiert sich für französische Waffenschmiede

Die französische Tageszeitung „Echo de Paris“ berichtet, dass das Stahlunternehmen Krupp AG plant, die russische Rüstungsfirma Putilow zu kaufen. Da Frankreich mit Russland verbündet ist, wird der Plan in Frankreich kritisch gesehen. Die Meldung hatte die französische Rüstungsfirma „Schneider-Creusot“ die Meldung lanciert, tatsächlich gab es Gespräche, dass sich die britischen Vickers-Armstrong-Werke zusammen mit der Deutschen Bank an der russischen Waffenschmiede beteiligen. Am Ende engagiert sich sich russische Regierung dafür, dass der französische Kapitalanteil – und damit der Einfluss von „Schneider-Creusot“ – erhöht wird.

Dazu auch: Die Zeit, 4.9.1964: Die Rolle der internationalen Rüstung vor dem Ersten Weltkrieg

28.1.1914 – „Ausgleich“ im österreichischen Kronland Galizien

In Österreich-Ungarn wird Ende Januar der „Galizische Ausgleich“ vereinbart. Galizien war infolge der polnischen Teilungen im 18. Jahrhundert zu Österreich gekommen; es lebten dort überwiegend Polen und Ruthenen (Ukrainer). Der galizische Ausgleich, der im galizischen Landtag in Lemberg (die Stadt liegt heute in der Ukraine und heißt auf Ukrainisch Lwiw) vereinbart worden war, legte beispielsweise einen festen Anteil an Mandaten für die Ruthenen fest. Auch sollte eine ukrainische Universität gegründet werden.

Auch im von Ungarn verwalteten Teil der Doppelmonachie kommt man auf die Idee, dass man in Kroatien, Slawonien und Transsylvanien den Südslawen und Rumänen mehr Rechte geben könnte.

Um bei den Polen in Russland (das – wie auch Preußen – seinen Anteil bei den polnischen Teilungen hatte) zu punkten, schlägt der russische Außenminister Sergej Sasonow Zar Nikolaus II. im Januar 1914 vor, den russischen Polen auch mehr Zugeständnisse zu machen.

27. Januar 1914 – Der Cousin des Darmstädter Großherzogs hat Geburtstag

Der 27. Januar ist/war Kaiser Wilhelms Geburtstag. Am 27. Januar 1859 kam Wilhelm von Hohenzollern auf die Welt, 1888 besteigt er als Wilhelm II. den Thron.

Wilhelm war ein Enkel der „Großmutter Europas“, der englischen Königin Victoria (Wilhelms Mutter war Victoria von Großbritannien und Irland) und da kommt endlich mal wieder ein Darmstadtbezug, denn der Darmstädter Großherzog Ernst Ludwig war auch ein Enkel Victorias, seine Mutter war Victorias Schwester Alice von Großbritannien und Irland. Alice? Genau, nach dieser Alice ist das Alice-Hospital in der Dieburger Straße benannt. Wegen dieser Beziehung war Queen Victoria auch ab und an im Großherzogtum Hessen und hat ihren Namen in Glasscheiben der Schlösser in Braunshardt und Kranichstein geritzt.

Damit waren Wilhelm und Ernst Ludwig jedenfalls Cousins. Der englische König Eduard VII. war als Queen Victorias Sohn ein Onkel der beiden und der ihm 1910 nachfolgende englische König George V. war somit auch wieder ein Cousin.

Ernst Ludwigs Schwester Alix (logischerweise auch eine kaiserlich-königliche Cousine) heiratete den künftigen russischen Zaren Nikolaus II. Russisch? Genau, deswegen steht auf der Mathildenhöhe die russische Kapelle, sie war eine Hauskapelle für den Zaren. Auf mich wirkt sie immer ein wenig wie ein Raumschiff, das im Jugendstilensemble notgelandet ist. Aber tatsächlich ist es andersherum, die Kapelle war zuerst da. Baumeister war übrigens ein Großvater des Schauspielers Peter Ustinov.

Alix nennt sich als Zarin Alexandra. Sie ist die, die den Mönch Rasputin als Heiler ihres bluterkranken Sohnes sieht, sie ist auch die Mutter der später legendär gewordenen Zarentochter Anastasia, die die Erschießung in der Folge der Russischen Revolution überlebt haben soll.

Jedenfalls zählt wegen dieser Heirat der russische Zar auch zu den wilheminischen Cousins. Genützt hat es aber schließlich nichts, wie man im Juli und August 1914 sehen wird, auch wenn sich die beiden „Willy“ und „Nicky“ nannten.

Ach ja, Georges und Nikolaus‘ Mütter waren Schwestern (Alexandra und Dagmar von Dänemark, ihr Vater Christian war der „Schwiegervater Europas“), der britische und der russische Monarch sind also auch Cousins. Man vermutet, dass sich deswegen George und Nikolaus recht ähnlich sahen.

Über Wilhelm II. und sein Amtsverständnis und Auftreten lasse ich mich hier nicht aus, da ich es nicht schaffen werde, Werke wie die Biografie John Röhls oder die Christopher Clarks zusammenzufassen (Spiegel TV: Der letzte Deutsche Kaiser). Zumal die Biografen sich nicht einig sind: Röhl, Clark, Straub – drei kontroverse neue Bücher über Wilhelm II.

Seit 1996 ist der 27. Januar übrigens „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus„, weil die Rote Armee am 27. Januar 1945 das KZ Auschwitz befreite.

Links: Fotoausstellung, Presseschau, Gedächtnisort Internet

Ausstellung: „1914 – Welt in Farbe“ im LandesMuseum Bonn, noch bis zum 23.3.2014

Link mit Links:

Zeit.de: Das große Erinnern – Im Gedenkjahr 2014 wird auch das Internet zum Gedächtnisort – Heute kann die heimliche Liebespost jeder lesen, der die Website www.europeana1914-1918.eu aufruft (…) So entsteht derzeit etwa unter www.1914-1918-online.net eine Online-Enzyklopädie unter der Leitung des Historikers Oliver Janz von der Freien Universität Berlin. (…) Einen Überblick über die historischen Angebote im Netz bietet dazu schon seit zehn Jahren die Humboldt-Universität zu Berlin unter www.erster-weltkrieg.clio-online.de.

Deutsche Welle: Der Erste Weltkrieg in den Medien – Jahrzehntelang war der Erste Weltkrieg vielen Deutschen wenig präsent. Doch pünktlich zum Auftakt des Erinnerungsjahrs 2014 ändert sich das. Manche Medien ziehen sogar Parallelen zur Euro-Krise. Eine Presseschau.

Neue Osnabrücker Zeitung: Der Erste Weltkrieg elektrisierte viele Bürger – Jüngere Forschungen relativieren das Bild der allgemeinen Kriegsbegeisterung ein wenig. Manch einberufener Fabrikarbeiter oder Landwirt, der seine Familie unversorgt zurücklassen musste, war durchaus nicht wild darauf, an die Front zu kommen.

Und noch einer zu Christopher Clark:

FR: Der Krieg war im Oktober 1914 verloren – Der Historiker Hans-Ulrich Wehler über die Ursachen des Ersten Weltkriegs, die Schuldigen, die katastrophalen Fehleinschätzungen des deutschen Generalstabs und den Übergang zum totalen Krieg.

Solche Feststellungen wie in der Überschrift sind natürlich sehr vom jetzigen Wissen geprägt. Denn wenn das die Entente damals schon gewusst hätte, wäre sie das ganz ja entspannt angegangen. Konnte sie aber nicht, weil sie weiterhin mit dem Schlimmsten rechnete.

Die Presse: Der Erste Weltkrieg läutet den Untergang der Herrscherhäuser Habsburg, Hohenzollern und Romanow ein

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Ein Witz

Veteranentreffen bei der Bundeswehr. Der General schreitet durch die Reihen und spricht einen älteren Herrn an:

„Kriegsteilnehmer?“
„Jawoll, Herr General, Weltkrieg Zwo!“
„Auszeichnungen?“
„Jawoll, Herr General, EK II und EK I!“
„Weitermachen!“

Er kommt zu einem sehr alten Herrn:
„Kriegsteilnehmer?“
„Jawoll, Herr General, Weltkrieg Eins!“
„Auszeichnungen?“
„Jawoll, Herr General, EK II und EK I!“
„Weitermachen!“

Er kommt am Ende der Reihe zu einem uralten Mann:“Kriegsteilnehmer?“
„Jawoll, Herr General, 1870/71!“
„Auszeichnungen?“
„Keine, Herr General.“
„???“
„Aber Krieg gewonnen!“

Januar 1914 – Gerüchte über einen Geheimvertrag

Im Januar kommen Gerüchte über einen rumänisch-serbischen Geheimvertrag gegen Österreich-Ungarn auf. Besonders für den ungarischen Teil das interessant, da im den Gebieten Siebenbürgen, Bukowina und Banat Rumänen leben. Bis 1916 bleibt Rumänien neutral, dann tritt es auf Seite der Entente in den krieg ein, weil es entsprechende Zusagen bei den oben erwähnten ungarischen Gebieten gibt.

Januar 1914 – Verschwörung gegen österreich-ungarischen Militärgouverneur

Die serbische Geheimorganisation „Schwarze Hand“ plant im Januar 1914 den österreich-ungarischen Militärgouverneurs in Bosnien, Oskar Potiorek, mit einem vergifteten Dolch zu ermorden. Der Plan scheitert, da der Verschwörer Muhamed Mehmedbasic den Dolch aus einem Zugfenster wirft und das Gift in einer Toilette runterspült, als er uniformierte Polizeibeamte erblickt.

Oskar Potiorek hat übrigens – schon im Jahr 1913 – den österreich-ungarischen Thronfolger Franz-Ferdinand für Juli zum Manöver in Bosnien-Herzegowina eingeladen.