Das kannte ich bislang auch noch nicht: Ein Teilnehmer auf einer Informationsveranstaltung kündigt an, ein paar böse Dinge zu sagen. Und dass er seine eigenen Worte sicherheitshalber aufzeichnen werde, damit er nicht falsch zitiert wird.
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Die Zukunft – Reporter verlieren Deutungshoheit
Neulich schrieb ich in einem Kommentar: „Irgendwann bringt jeder Veranstalter seine Veranstaltung als Video auf YouTube. Dann guckt jeder, der sich dafür interessiert nach, was gelaufen ist. Und wird es der jeweiligen Zeitung um die Ohren hauen, wenn was wichtiges weggelassen wurde.“
Den Spaß können wir jetzt haben, der SPD-Landratskandidat Klaus Peter Schellhaas hat seine Rede zum Wahlkampfauftakt bei YouTube eingestellt.
Rede von Klaus Peter (Pit) Schellhaas am 15. Februar 2009 zum Wahlkampfauftakt, Teil 1 + Teil 2
Zum Vergleich die Frankfurter Rundschau (Auftakt mit Zypries) und das Darmstädter Echo (Schellhaas: Der Rucksack ist gepackt).
Meine Folgerung aus dieser Entwicklung ist, dass man in seinen Artikeln mehr bieten muss als den reinen Bericht von der Veranstaltung. Also mit Leuten dort reden und nicht nur schreiben was in der großen Runde allen gesagt wurde – also Dinge erklären oder Meinungen abfragen.
Nur: Dann braucht man u.U. auch einen Tag extra bis das Stück rausgeht und es muss besser bezahlt werden, denn wenn es über „schreiben was in der großen Runde gesagt wurde“ hinausgeht, dann ist das wie ein zweiter Termin.
Wie man in den (Blätter)Wald reinruft …
Über manche Mitbürger, die ich als Journalist treffe, kann ich mich nur wundern. Da wird der Lokalzeitung alles mögliche unterstellt, vor allem, dass man einseitig sei, parteiisch und seine Sachen – oder die seines Vereins, Verbandes etc. – ignoriere oder verfälsche.
Hallo? Wie würde er den reagieren, wenn ich ihn privat mit analogen Vorwürfen begrüßen würde? Genau: Er würde nicht mehr mit mir reden. So. Und warum soll ich das nun als Reporter?
Schnelle Parlamentarier – geht doch
Ha, Gemeindeparlamente können auch kurz tagen. Habe ich heute erlebt als ich bei der Gemeindevertretung in Mühltal war. Um 19.30 Uhr ging es los, um 20.15 Uhr war die Tagesordnung abgearbeitet. Super. Und das obwohl „die Zeitung“ da war.
In Darmstadt hingegen – ungefähr zehnmal so viele Einwohner – hat man oft das Gefühl, es gilt: „Es ist zwar alles gesagt, aber noch nicht von jedem.“
Da tagt das Stadtparlament doch schon mal von 16 Uhr bis 22 Uhr. Und bei völlig harmlosen Tagesordnungspunkten fangen die Stadtverordneten an zu zanken, um am Ende – wie geplant – einstimmig dafür zu stimmen. Es könnte aber auch schneller gehen: Die Stadtverordneten bekommen nämlich eine Art „Abstimmungspapier“ von ihren Fraktionsführungen. Da stehen die Tagesordnungspunkte und wie die Fraktion jeweils abstimmen muss wird soll.
Mein Verein steht nie in der Zeitung
Da soll mir noch mal ein Vereinsvertreter kommen und jammern, er würde nicht in der Zeitung berücksichtigt.
Leider erfahre ich immer wieder, wie man manchen hinterhertelefonieren muss und am Ende Zeit verschwendet aber keine Infos hat, weil die Ansprechpartner keine Zeit oder Lust oder keine Sonstwas haben. Berücksichtige ich Aufwand und Honorar müsste eigentlich jede Kontaktaufnahme gleich zu einem Termin oder Gespräch führen, aus dem ich dann den Artikel stricken kann.
Leute, es ist meine Zeit, in der ich meine Produktivität mit Warten auf Rückrufe und Hinterhertelefonieren opfere, wenn ich es wieder und wieder probieren muss. Da viel Zeit reinzustecken ist schwierig aber keine investigative Recherche, die einem viel Ruhm oder Ehre oder gar Öre bringt.
Und ihr wundert Euch nachher, warum immer andere als ihr im Blättchen landen. Ja, weil die mit einem reden, weil die in ihre E-Mail gucken und auch wie zugesagt zurückrufen.
Zuwenig Grenzen im Job
Da informiere ich eine Professorin über eine Woche vorher über den Redaktionsschluss eines Magazins und maile meine Fragen, dass man sie per E-Mail beantworten kann. Um dann einen Tag nach Redaktionsschluss von der Frau gesagt zu bekommen, dass ihr die Fragen nicht passen. Was man aber locker vorher hätte besprechen und regeln können. Denn das Magazin war ja eine Werbebroschüre der Landesregierung.
Manche Leute – zum Beispiel Millionäre oder eben Professoren – bekommen in ihrem Job halt einfach zuwenig Grenzen gesetzt und entwickeln eine sehr eigene Weltsicht. Beziehungsweise: Sie müssen ihre nicht ändern oder anpassen. Das ist bei denen aber systemimmanent.
Allerdings braucht man für so ein Verhalten nicht reich oder klug zu sein, es reichen auch ein paar Gläser alkoholische Getränke. Dann zeigt man auch seine Primärpersönlichkeit.
Positionsbestimmung
Die TAZ berichtet über einen neuen Berlin-Stadtführer, „LobbyPlanet Berlin“ von LobbyControl, vermisst aber etwas:
Und erklärt dann, woran man gute Lobbyarbeit erkennt:
Weswegen man lieber nochmal nachdenken sollte, wenn man auf einen PR-Text stößt und man versucht ist den gleich in den Artikel zu übernehmen.
Zwei Dumme, ein Gedanke
Gestern war ich für eine Stadtteilzeitung im Gemeindesaal der Petrusgemeinde. Die Jugendtheatergruppe „Spielbar“ gab Ramon Piersons Bürokratie-Groteske „Virtual Reality“. Und ich dachte mir so, dass der Satz
„Für Sie mag es ein blödes Formular sein, für mich ist es mein Leben“
eine schöne Überschrift wäre. Und was steht heute in der Tageszeitung? Genau: „Für Sie ist ein Formular, für mich das Leben“
Fünf Mal damals, einmal heute
Heute auf einem Termin sah ich eine Frau, die ich irgendwoher kannte. Irgendwann fiel mir ein: Sie war mal Assistentin an der Uni. Und dann war noch der Projektleiter der Veranstaltung dabei. Dessen Firma hatte mal nicht meine Fahrtkosten übernommen als ich mich dort beworben hatte. Tja, sowas vergisst man nicht. Sollte man sich für die Unternehmenskommunikation mal merken. Wirkt nämlich lange nach.
Beim nächsten Termin traf ich dann einen, der mit mit in der 5. Klasse war, gleich darauf einen weiteren, der war mit mir an der Uni. Beide auf Stellensuche.
Und beim Einkaufen dann noch einen Kommilitonen getroffen (um dieses geschraubte Wort mal zu verwenden.)
Schließlich noch ein Blogleser, der mich erkannte, als ich mich vorgestellt hatte.
Volvo: Minus 99,7 Prozent
Gestern schrieb ich bei einem Vortrag eine nahezu unglaubliche Zahl mit, so dass ich das doch lieber überprüfte. Aber tatsächlich: