Gestern schrieb ich bei einem Vortrag eine nahezu unglaubliche Zahl mit, so dass ich das doch lieber überprüfte. Aber tatsächlich:
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Und dann rumjammern
Vereine wollen ja gerne in die Zeitung, wenn sie was machen. Aber dass mir der Pressebeauftragte am Samstagmorgen erzählt, dass er vor Montag nicht an die unter Kontakt angegeben E-Mail geht – hatte sie ja nur am Freitagmorgen abgeschickt – und ich sowieso besser den Vorsitzenden anrufen soll, finde ich auch interessant. Aber sich nachher beschweren, wenn keine Ankündigung im Blättchen steht.
Für den Ruhm und Lohn anderer
Manchmal werden einem ja Artikelthemen vorgeschlagen. Medien-Miezen* versuchen ihren Job gut zu machen und ihre Firma oder ihren Kunden gut in der Zeitung zu präsent- und platzieren.
Und es gibt Tage, an denen ich mich, ob des Unrechts der Welt verbittert, frage ob ich darauf eingehen soll. Ich arbeite in dem Moment nämlich für den Ruhm und Lohn anderer. Und es gibt Tage an denen mich das gewaltig stört.
Warum sollte ich das einer Redaktion vorschlagen? Das ist kostenlose PR. Würde ich es als PR schreiben, wäre mein Satz höher. Sauber recherchiert ist er auch nicht und so richtig unabhängige Berichterstattung ist ebenfalls was anderes. Andererseits könnte ich einen Artikel schreiben, aber der Text ist für die Medien-Mieze mehr wert als er mir bringt.
* – Platzhalter, kann auch ein Kommunikations-Kater sein.
Wir sind die Bösen
„Und was werden Sie jetzt schreiben?“, schielte der Mitarbeiter eines städtischen Unternehmens auf meine Notizen, als ich nach seinem Namen fragte. „Nicht, dass ich mir Montag einen neuen Job suchen muss“, sagte er. „Ich schreibe was passiert ist“, sagte ich ihm.
Aber wegen seiner schlechten Selbstdarstellung wird er bestimmt nichts zu befürchten haben. Er hat sturheil im Unternehmensinteresse die Unternehmensposition vertreten – und dafür fundiert von Bürgern Kontra bekommen. Und das wird geschrieben.
Was haben manche eigentlich für ein Journalistenbild?
Zitate abgleichen
Da fragte ich die Vortragende noch nach ein paar Namen, damit ich nichts falsch schreibe. Und dann sagte sie: „Ach, nehmen Sie doch mein Manuskript.“ Jetzt kann ich meine sechs Seiten Notizen sogar nachprüfen, ob ich auch die Zitate richtig habe. Eigentlich zu einfach.
Doppelt so viele Zuschauer
Heute waren doch glatt mal doppelt so viele Zuschauer im Gerichtssaal wie sonst: Plädoyers und Urteil im Prozess gegen zwei Frauen aus Ludwigshafen. Die Öffentlichkeit bestand tatsächlich aus vier Zuschauern: Ein Reporter vom Hessischen Rundfunk, einer von der DPA, eine Kollegin für die Lokalpresse aus Mannheim und ich für Darmstadt. Die üblichen Verhandlungstouristen im Landgericht fehlten überraschenderweise.
Ich hatte übrigens mit meiner Vermutung recht: Haft – für beide. Obwohl es nur einen Belastungszeugen gab.
Nachtrag: Es waren der Verteidiger und eine Angeklagte, die das Wort „Zigeuner“ verwendeten.
Langer Atem beim Johannesplatz
Vergangene Woche ging die Website des Fördervereins „Initiative Johannesplatz“ online. Schon etwas länger hatte sich die „Initiative Johannesplatz“ formiert, die sich unter anderem für eine Umgestaltung des kargen Platzes einsetzte.
Die Geschichte ist ein schönes Beispiel, dass man als Bürger doch etwas bewegen kann. Denn angefangen hatte das vor fast zwei Jahren. Am 21. September 2006 schrieb ich über den Platz. Der Stadtverordnete Michael Siebel hatte mich darauf aufmerksam gemacht, dass Anwohner den Zustand des Platzes vor der Johanneskirche beklagten.
Bald trafen sich dann auch Anwohner, um etwas in Gang zu bringen, aber die Initiative blieb irgendwie stecken. Meiner Einschätzung nach war die Arbeit zu wenig verteilt. Zudem wollte man sich vor keinen parteipolitischen Karren spannen lassen, was natürlich den Einfluss auf die Stadt deutlich reduzierte. In einem zweiten Anlauf schaffte es die Initiative dann doch – wie man sieht.
Messe für die Presse
Ich halte ja Erdstrahlen, Wasseradern für Magnetfeldtherapie für Spökenkiekerei und die Theorien über deren Wirksamkeit für zweifelhaft. Wenn da was wirkt, sind das Placebo-Effekte – und auch die sind nicht zu unterschätzen.
Und so fragte ich bei einer Messe-Eröffnung nach, wie die Veranstalter diese ins esoterische gehenden Angebote sehen. Der Assistent verwies auf die Chefinnen und die eine hatte keine Bedenken, dass die Anbieter unseriös wären. Man kenne sie schon länger. Na gut.
Die Chefin der Messe-PR-Agentur stellte übrigens wirklich gute Fragen auf dem Rundgang. Nicht mir, sondern den einzelnen Organisatoren in den Hallen. Sie plaudert, fragt einiges, die Damen und Herren antworten und die Presse notiert und schneidet mit. Einerseits hilfreich, andererseits geschickt und gefährlich bequem. Man kommt fast gar nicht dazu seine eigenen Fragen zu stellen.
Ideenstifter
Wenigstens der Hessische Rundfunk liest Zeitung . Mein Artikel über das Geschicklichkeitsspiel „Kubb“ fand eine Fortsetzung, eine HR-Kollegin vom Hörfunk war beim Donnerstagsspieltreff für eine Reportage.
Der Beitrag kommt voraussichtlich am Sonntag. Mal lauschen, ob sie mit Wurfholzgeklapper anfängt.
Nachtrag: Der Beitrag
Einladung zur Idee
Heute ist ein Artikel von mir erschienen, in dem sich Anwohner über Lärm und andere Belästigungen durch Besucher einer Obdachloseneinrichtung beschweren.
Auffällig ist, dass die Beschwerden in der Woche kamen, als die „Teestube“ die Nachbarschaft zu ihrem zwanzigjährigen Jubiläum einlud.