ZDF-heute-journal mit „Wahnsinn pur“ und „Schockstarre pur“ auf Quotenjagd

Aha, mir war das nicht alleine aufgefallen, dieses makaber-schräge „heute-journal“ in der Halbzeitpause Brasilien-Deutschland.

Via Stefan Niggemeier gibt es eine Erklärung für diese ZDF-Aktion:

„Es will es in die Halbzeitpause quetschen, um auf diese Weise den Zuschauerschnitt der Sendung in die Höhe zu treiben.“

Und jetzt weiß ich auch, woher das Gefühl bei mir kam, warum die Sendung so daneben war, weil Niggemeier auf zwei Zitate hinweist: „Das ist Schockstarre pur“, sagte der eine Korrespondent und „Das ist Nahost-Wahnsinn pur“ der andere. Und setzten so dekadentes Vergnügen (sorry, Fußball-WM ist nunmal Spaß und ein Luxus) auf eine Stufe mit dem Krieg zwischen der Hamas und Israel.

Nun doch Krautreporter

Ich habe mich geirrt, die Krautreporter haben es trotz ihres unprofessionellen Auftritt hinbekommen. Bedenkenträger war ich nicht, ich fand auch das Meckern über die Kreditkarte und die wenigen Reporterinnen und die fehlende Diversität kleinlich.

Aber das Marketing war so schlecht und die Site so nichtssagend und die genannten Themen so 08/15, dass ich keine Lust hatte, das zu bewerben. Jeder hätte mich doch gefragt, warum er dafür 60 Euro geben soll.

Und dann fand ich die Orga doch sehr improvisiert, mit vier Tagen Vorlauf kam eine Einladung nach Berlin, an einem Arbeitstag, das Blog kam irgendwann, Beiträge irgendwie spontan und sinnlos getaktet, naja.

Da entstand zwingend der Eindruck bei mir ein paar Berliner Alpha-Journalisten und -Blogger, versuchen jetzt mal eben mit Crowdfundig sich ihr Hobby (Schreiben über Dinge, die sie für sich interessant finden – ich sag‘ nur jüdischer Siedler) von anderen bezahlen lassen.

Freundlicherweise hat die Augstein-Stiftung die Krautreporter nun gezwungen, meine Vorurteile auch zu widerlegen.

Krautreporter scheinen es noch zu schaffen

Da habe ich mich wohl geirrt. Die Krautreporter scheinen es zu schaffen. Unter anderem dank einer Spende:
Die Rudolf Augstein Stiftung fördert Krautreporter mit 1000 Mitgliedschaften. Und wenn am letzten Sammeltag pro Stunde so viele Unterstützer dazukommen wie aktuell, müsste die 15.000-Unterstützer-Grenze um 15 Uhr oder 16 Uhr erreicht werden.

Und ich glaube nicht, dass das Projekt bei 14.900 Unterstützern scheitert, da lohnt es sich für die 25 Macher doch noch selbst schnell zu „Abonennten“ zu werden.

Ich hoffe, dass der wohl erfolgreiche Endspurt nicht von den Problemen, die ausgemacht worden waren, ablenkt. Nicht, dass es so läuft wie bei einer Pleite-Kommune, die durch Grundstücksverkäufe ihr strukturelles Defizit für ein Jahr ausgleichen kann und fröhlich weiter ins Defizit wirtschaftet. Da ist trotz Buchhaltungserfolg noch nichts anders.

Und die Stiftungsspenden (es gibt laut den Facebook-Krautreportern noch eine) zeigt mir eher, dass die Zukunft der Journalismusfinanzierung in einen anderem Modell liegt: Mäzenatentum.

6. Juni: Krautreporter – Eine Orga wie Kraut und Rüben
3. Juni: Countdown bei den Krautreportern. Aber so wird das nichts.

Krautreporter – der Name trifft es doch

Eine Orga wie Kraut und Rüben.

Gerade kam eine BBQ Einladung an die Unterstützer rein. Nach Berlin. Vor drei Wochen startet das Projekt, jetzt kommt – mit vier (4!) Tagen Vorlauf – eine Einladung nach Berlin. Hauptstadt, aber zentral ist anders. Und für einen Dienstag, ein Arbeitstag. Der Feiertag Pfingstmontag ist einen Tag vorher. So eine Feier kündigt man mit Aktionsbeginn an, wenn man es ernst meint.

Inzwischen wirkt das Projekt auf mich immer mehr wie ein „ach lass uns mal Crowdfundig probieren“.

Es ehrt die Kollegen ja, dass das sie als Journalisten keine Ahnung von PR und Kampagnen haben, aber die müssen doch auch mal auf einer schlecht organisierten und Null vorbereiteten Veranstaltung gewesen sein, und daher wissen wie man es nicht macht?

Langsam bereue ich es 60 Euro bereitgestellt zu haben.

13. Juni: Krautreporter scheinen es noch zu schaffen
3. Juni: Countdown bei den Krautreportern. Aber so wird das nichts.

Countdown bei den Krautreportern. Aber so wird das nichts.

Countdown bei den Krautreportern. Nur noch 10 Tage fürs Funding. Hintergrund: Das Projekt will „900.000 Euro für ein Jahr Journalismus von 25 Autoren einsammeln“ (Zusammenfassung von Don Alphonso).

Aber jetzt erst kommen die Kollegen mit dem was schon vor dem Crowdfunding hätte stattfinden müssen: Sie nennen Themen, die sie machen wollen. Als da jetzt wären: Nahostkonflikt, Fernseh- und Rundfunkräte, die neue Ostfront oder professionelle Zahnreinigung.

Und sie haben nur noch zehn Tage um 15.000 Unterstützer zusammenzubekommen. Meiner Meinung nach wird das wird aber nichts mehr, sie haben nach 21 Tagen erst gut 6500 Unterstützer.

Nebenbei: Die Beispiele oben musste ich jetzt copy/paste zusammenklicken, das wäre einfacher das würde in einem Absatz auf Krautreporter stehen. Das macht es dem, der für das eigentlich schöne Projekt* werben will, leichter. (Andererseits ehrt das die Krautreporter, die haben wohl noch nie ihr Geld damit verdienen müssen, Pressemitteilungen zu redigieren. Wer das gemacht hat, weiß, wie man es den Kollegen bei der Tageszeitung leicht macht. )

* das eigentlich schöne Projekt: Ja, die Idee ist gut. Die Leser bezahlen die Journalisten und nicht wie sonst die Anzeigenkunden. Sinnvoll, dann wenn es eng wird, heißt es: Wer zahlt, sagt an. Und inzwischen bin ich ja der Meinung, dass der, der etwas will, es erstmal auch bezahlt. Und das wäre bei Krautreporter ja der Fall.

Nur frage ich mich langsam, wie die Krautreporter sich das mit dem Marketing gedacht hatten? Meiner Meinung nach hätte man schon vier bis zwei Wochen vorm Crowdfundingbeginn von dem Projekt was erfahren müssen. Ich halt mich für mittelgut informiert, aber zu mir war nichts durchgedrungen. Keine Gelegenheit vor drei Wochen „Endlich geht’s los“ zu sagen. Naja, und so zählt der Unterstützercounter zwar langsam hoch, aber ein Moment, wie es durch die Berichterstattung am Anfang war, kam nicht mehr rein. Dabei wäre ja Leute wie Jens Weinreich dabei, gerade er macht Sportpolitik und wenn es um die Sümpfe bei Doping, Fifa und IOC geht, kennt er sich aus. Nur wer von den Sportteillesern kennt den Namen?

Kann natürlich sein, dass ich komplett falsch liege und die Leser einfach zufrieden sind mit den kostenlosen News à la SpOn &Co. Oder sie spätestens jetzt bei den vorgestellten Themen den selben Mainstream vermuten, wie es ihn kostenlos bei SpOn &Co gibt.

13. Juni: Krautreporter scheinen es noch zu schaffen
6. Juni: Krautreporter – Eine Orga wie Kraut und Rüben

Louisiana-Flusskrebse leben auch in China

Gestern bei „Hart aber fair“ (es ging um Lebensmittel) war die Aufregung groß, als erklärt wurde, dass der Louisiana-Flusskrebs im Meeresfrüchteregal aus China kommt. Das frage ich mich ja, was, wo und wie diese Diskussionsteilnehmer – mehr oder weniger Experten, sonst wären sie ja nicht in der Sendung – einkaufen? Das steht auf den Packungen. Und beim Discounter „Netto“ sogar auf der Vorderseite der Verpackung. Bei der Büsumer Feinkost anscheinend nicht.

Und der Krebs heißt nunmal Louisiana-Flusskrebs, weil er aus Nordamerika stammt. Und wie das so ist bei Trivialnamen, sie sind nicht einheitlich. Aber auch der Artname (Procambarus clarkii) steht auf den Packungen. Allerdings kann er auch woanders leben.

„Kein Produkt lässt sich leichter, zu nahezu Null Kosten unter die Leute bringen, wie Texte und Fotos.“

Richard Gutjahr macht sich so seine Gedanken zum Zeitungssterben und schägt besseres Micropayment vor:

„Die Menschen wollen im Internet alles kostenlos. – Ach ja? Allein Apple hat in den vergangenen 10 Jahren nicht nur einmal, sondern 7 mal bewiesen, dass User sehr wohl bereit sind, für digitale Inhalte im Netz gutes Geld zu bezahlen“

„(…) seit Einführung der Flatrate für Festnetz und für unterwegs, konsumiere ich mehr Zeitungs- und Zeitschriftenangebote als je zuvor. (…) Spontan-Abrufe, aufgrund von Empfehlungen (…) Schon oft hätte ich gerne ein paar Cent gezahlt, wohlgemerkt, nicht für ein ganzes Heft. Für einen speziellen Text. Singular.

„Ich höre schon die Kritiker rufen: Dann werden in Zukunft nur noch Inhalte angeboten, die sich gut verkaufen lassen. (“Graubrot”) fiele dann durch das Raster – Oh irony! Als ob das bei der gedruckten Zeitung jemals anders gewesen wäre.“

Lizenz: CC-BY-SA

Zukunft der Zeitung? Sechs Tage Pixel, ein Tag Print

Die Tageszeitung „Vlothoer Anzeiger“ erscheint (in Ostwestfalen) ab sofort nur noch einmal wöchentlich und soll über Anzeigen finanziert werden. Die Woche über gibt es die Lokalnachrichten online.

newsroom.de: Tageszeitung wird zum Gratisblatt mit anspruchsvollem Internetauftritt

Drehscheibe: Interview mit dem Chefredakteur

Nachtrag, DWDL.de: Der seit 1906 bestehende "Vlothoer Anzeiger" ist Geschichte. Am Samstag, den 28. Juni 2014, ist die letzte Ausgabe des traditionsreichen Titels erschienen.

Willkommen bei der „Linken Kampfpresse“: Die F.A.Z.

Oder wie soll man solche Gastbeiträge auf faz.net verstehen? Hm?

Europa in der Krise Schluss mit Mephistos Umverteilung! Von Sahra Wagenknecht.

Der Krieg der Banken gegen das Volk. Oder: Bankenrettungen führen in die Oligarchie. Von Michael Hudson.

Die Lüge von der Systemrelevanz. Von Albrecht Müller.

(Der Begriff „Linke Kampfpresse“ kam 1987 im Zusammenhang mit der Barschel-Affaire (wieder) hoch. Gerhard Stoltenberg (CDU-Vorsitzender in Schleswig-Holstein) versuche damals mit dem Schlagwort die Enthüllungen zu Uwe Barschels illegalen Aktivitäten gegen den SPD-Ministerpräsidentenkandidaten Björn Engholm als parteipolitisch motiviert darstellen. Die so (und später) kritisierten Medien werteten das Schlagwort natürlich als Auszeichnung.)

Samstag gegen 11.50 Uhr verunglückte ein Darmstädter tödlich am Allalinhorn

Was so allgemein klingt, bekam am Montag einen Namen. „Der Michael Fritz ist tödlich verunglückt“, sagte mir gestern die Redaktionssekretärin traurig, als wir am Telefon einen Termin klärten. Ich kannte noch keine Details, wollte auch nicht nachfragen, weil ich an einen Autounfall dachte. Ich guckte in den Polizeibericht, aber da stand nichts.

Dass der Journalistenkollege aus der Landkreisredaktion der 48 Jahre alte Darmstädter war, der in eine Gletscherspalte gestürzt und umgekommen war (was ich vorher so nebenbei gelesen hatte), hatte ich erst nach einigem Nachdenken festgestellt. Da wurde der „Darmstädter“ doch traurig konkret.

Noch am Freitag hatte mir eine Anwältin beim Plaudern im Gericht erzählte, dass sie ihn kenne. Und ich mir noch so dachte, dass ich ihn mal fragen muss, ob er mit meinem ehemaligen Erdkundelehrer Norbert Fritz verwandt ist.