Wenn einer ein Buch geschrieben hat und einen Verlag sucht, kann man an einen Verlag geraten, bei dem man noch Geld zuschießen muss, damit der das Buch druckt. Das ganze heißt dann Zuschussverlag, auf Englisch Vanity-Press.
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Ist mein Anwalt überhaupt zugelassen?
Zur Zeit steht hier ein Mann vor dem Landgericht, dem neben Betrug auch vorgeworfen wird, sich unzulässig als Anwalt ausgegeben zu haben. In drei Fällen trat er sogar vor Gericht auf. Das ging gut, weil in der Regel weder Mandanten noch Gerichte die Zulassung prüfen.
Ob der eigene Anwalt zugelassen ist, kann jeder bei den jeweiligen Anwaltskammern erfahren. Für Darmstadt ist die Rechtsanwaltskammer Frankfurt am Main zuständig. Bundesweit kann man auf www.rechtsanwaltsregister.org, der Internetseite der Bundesrechtsanwaltskammer, nach allen in Deutschland zugelassenen Anwälten suchen. Die zentrale Datenbank wird von den regionalen Anwaltskammern gepflegt.
Business Angels, 50 zu 1
Unternehmensgründer haben in der Regel eine Idee, aber kein Kapital. Geld haben wiederum Business Angel. Wie mir einer auf einem Gründertreffen erzählte, liegen die von ihm in „vielversprechende“ Gründer investierten Beträge zwischen 25.000 Euro und 50.000 Euro. „Vielversprechend“ bedeute für ihn, dass ein interessantes Produkt, Qualifikation und Persönlichkeit zusammenkommen,
Bis sich ein Gründer und ein Partner finden, kann es dauern, meinte er. Aus rund 50 längeren Gesprächen mit Unternehmen, ergäben sich ein bis zwei Beteiligungen, berichtete er aus seiner Praxis. Die aktuelle Wirtschaftskrise spüre man auch, die Gründeranzahl sei nahezu konstant aber es gebe weniger Business Angels.
Was vom Tage übrig blieb – Beißstatistik
Statistiken über Hundebisse sind widersprüchlich und unvollständig – wenn sie überhaupt veröffentlicht werden. Eine im Februar 2009 durchgesickerte Statistik, die das Hessische Innenministerium bis dahin nicht veröffentlicht hatte, zeigt dass Schäferhunde und ihre Kreuzungen am häufigsten zubissen. Zwischen 2004 und 2007 wurden 284 Mal wurden Menschen von solchen Hunden verletzt, zehn Fälle waren schwere Verletzungen. Die Statistik berücksichtigt aber nicht, wie viele Hunde einer Rasse es in Hessen gibt.
2006 führten in Nordrhein-Westfalen Pitbull-Terrier die Statistik an, wenn es um Angriffe gegen Menschen ging, aber in Brandenburg waren es im Jahr 2003 Schäferhunde und Sibirische Huskies. Dackel und Chihuahuas wurden 2008 als aggressivste Hunde gegen Menschen von der University of Pennsylvania ermittelt. Allerdings war die Befragung unter 9000 Hundebesitzern im Raum Philadelphia nicht repräsentativ, da hauptsächlich Tierarztbesucher erfasst wurden.
Bisse sind wegen der Verletzungen unangenehm, unter Umständen fängt man sich zudem eine Infektion ein. In 80 Prozent aller Hundebissverletzungen wurden pathogene Keime nachgewiesen, aber ein ähnlicher hoher Anteil (84 Prozent) verlief ohne Infektion.
„Sprengsatz – Das Politik-Blog aus Berlin“
Michael Spreng – ja, Stoibers damaliger Wahlkampfmanager – hat ein Blog: www.sprengsatz.de. Unter anderem mit Anekdoten wie „Schröder wollte nie Rot-Grün“ oder „Stoiber und der Joint“.
Und er spekuliert schön, wer in der CDU nach Angela Merkel kommt, und wie Christian Wulff das schaffen will.
Risse in 131 Häusern
Ein Riss geht durch das kaiserliche Wappen am Staufener Rathaus. Viele Spaziergänger marschieren in diesen Tagen übers Pflaster der kleinen Stadt bei Freiburg. „Katastrophentourismus“, witzeln Spaziergänger. Und ich, der eigentlich seine Oma zu Weihnachten besucht. Und dann gucken wir uns Risse in Hauswänden an. Denn unter dem zentral im „Städtle“ liegenden Rathaus, ein Bau aus dem Jahr 1546, bewegt sich die Erde.
Das mit den Wappen früherer Herrscherhäuser geschmückte Rathaus ist aber nicht alleine mit seinen Rissen. Aber es ist schon praktisch, dass die Risse am Rathaus sind, das findet wenigstens jeder. Der Boden der denkmalgeschützten Altstadt hebt sich seit Ende 2007 und hat inzwischen 131 Häuser durch Hebungsrisse beschädigt. Manche sind haarfein, andere so breit, dass ein Daumen oder mehr dazwischen passt.
Als Ursache gibt die Stadt in einer Pressemitteilung eine quellende Gipskeuper-Schicht im Boden an. Kommt Gips-Keuper in Kontakt mit Wasser wird er zu Gips und dehnt er sich aus. Dadurch hebt sich der Staufener Untergrund zur Zeit pro Monat etwa um einen Zentimeter, an einigen Stellen bislang insgesamt 10 Zentimeter.
A propos Bodenbewegung: In Staufen ist mal einer zur Hölle gefahren. Das dritte Haus links vom grauen Rathaus ist die „Gaststätte zum Löwen“ und zeigt eine Wandmalerei . In dem Gasthaus soll sich im Jahr 1539 Dr. Faust – ja, der von Goethes Faust – angeblich in die Luft gesprengt haben und Mephisto hat sich seine Seele geholt.
Die Hebung fällt auffällig zeitlich zusammen mit sieben Bohrungen, die im September 2007 hinterm Rathaus begonnen wurden. Der Staufener Gemeinderat hatte einstimmig beschlossen seine Rathausgebäude mit Erdwärme zu heizen und eine Firma beauftragt entsprechende Bohrungen durchzuführen. Laut Stadt wurden die Arbeiten dem Regierungspräsidium Freiburg, dem Landesamt für Geologie, Bergbau und Rohstoffe vorgelegt und von der Unteren Wasserbehörde des Landratsamtes genehmigt.
Bislang ist aber noch nicht geklärt, ob die Bohrungen schuld sind. Das Wasser kann durch die Bohrungen in die Keuperschicht oder durch tektonischen Verschiebungen unter der Stadt eingedrungen sein. Staufen liegt am Oberrheingraben, wo gerne mal die Erde bebt.
Ingo Sass, Geologe an der TU Darmstadt nimmt in Spiegel-Online die Bohungen aber als ziemlich wahrscheinliche Ursache an:
Unter der Altstadt rumort es also. Unter Umständen kann das Wasser den Gips auch wieder wegwaschen, was die Gebäude wieder absenken könnte.
Mittelständisch organisiertes Bandenwesen
Ein Soziologe erforschte die Struktur einer Gang in Chicago:
Hellseher
Warum weiß ich nur schon heute, worum es morgen bei den Nachdenkseiten gehen wird?
FAZ: Rürup wird Chefökonom des Finanzvertriebs AWD
Für mich reiht sich Rürup damit in die Reihe seiner sozialdemokratischen Genossen Schröder, Schily, Clement, Gerster und Tacke ein.
9. November
Ein junges Blog gibt Gelegenheit an Jahrestagen in seinen Erinnerungen zu schwelgen. Am 9. November 1989 war ein Donnerstag und ich war beim Spieltreff. Als ich nach Hause kam, erzählte mir mein Vater, dass „die Mauer“ offen sei. Und im Fernsehen sahen wir die Menschen auf der Krone des Berliner Bauwerks stehen. Was das bedeutet, war damals noch nicht klar.
Bis zu dem Tag stand die Helmut Kohl-Regierung schlecht da: Die Umfragen waren im im Keller. Kohl hatte einen schlecht vorbereiteten „Putschversuch“ seiner CDU-Partei“freunde“ auf dem Parteitag am 11. September 1989 gerade überstanden. Und die zahlreichen Kohl-Witze dokumentierten, dass der Kanzler eher Fettnäpfchen entgegen schritt als Erfolgen. Aber nach dem 9. November waren von einem auf den anderen Tag die Kohl-Witze ausgestorben. Der letzte in meiner Erinnerung war der mit „Kohl auf der Rolltreppe im Kaufhaus während eines Stromausfalls.“ (Den erzählte T.T. auf dem Weg zum Chemie-Hörsaal auf der Lichtwiese.)
Mit dem Fall der Mauer wurde mein Gemeinschaftskunde-Abitur vom gleichen Jahr plötzlich überprüfbar. Denn eine Frage war: „Rechnen Sie mit der Wiedervereinigung und in welchen Zeitraum?“ Na, da hatte ich damals locker mit weiteren 30 Jahren deutscher Teilung gerechnet. Und wenn die Wiedervereinigung kommt, dann sah ich das mit einer guten wirtschaftlichen Perspektive verbunden, denn dann gäbe es im Osten neue Märkte und die dortige Industrie bekäme die neuesten Maschinen.
Dass damit auch gleich der Warschauer Pakt, der COMECON und die Sowjetunion zerbröselt, hatte ich nicht vorhergesehen. Überhaupt hatte ich – und viele andere – die Lage in der DDR falsch eingeschätzt. Aber im April 1989, als wir das Abi schrieben, war die Situation auch noch nicht so brisant für die SED. Im Mai hatte die DDR-Führung die Kommunalwahlergebnisse wie üblich optimiert aber diesmal damit einige Empörung in der Bevolkerung ausgelöst. Die existenzgefährdende DDR-Erosion begann in meiner Erinnerung aber erst am 19. August. An dem Tag fand an der Grenze zwischen Österreich und Ungarn das „Paneuropäische Picknick“ statt. Und im Vorfeld zu diesem Tag hatte Ungarn seine Grenzbefestigungsanlagen abgebaut. Zirka 600 DDR-Bürger nutzten das Picknick zur Flucht nach Österreich. Und dann kamen die Flüchtlinge in der Prager Botschaft, die Montagsdemonstrationen und die ganze bekannte Geschichte.
Naja, bekannt ist relativ. Ein Gespräch mit einer Kommilitonin (ein blödes Wort) 1993 überrasche mich dann doch, denn sie hatte damals schon vergessen, dass die Mauer am 9. November ’89 gefallen war.
Wenn eine Frage einem zeigt, dass man ja gar nichts zu melden hat
Eine Buchhandlung ist dabei, mal eben Aushilfen fürs Weihnachtsgeschäft zu suchen.
Dafür hängt ein DIN A4-Bogen an der Kasse. Die Interessenten sollen sich bei Frau A. bzw. bei Frau B. melden.
Gut, da ich als arbeitsloser Biologe wohl leider die Zeit habe, ich ISBN von ISDN unterscheiden kann, ein Praktikum in einer Buchhandlung gemacht und auch mal ein Buch in der Hand gehalten hatte, fragte ich nach.
„Ja, wer sind sie denn und was sind Sie denn?“ fragte die Kassiererin und holte eine Liste zum sich eintragen raus. Denn der Laden hatte inzwischen festgestellt, dass Frau A. nur halbtags da ist und Frau B. nicht alle paar Minuten für Möchtegernaushilfen ihre Arbeit unterbrechen kann.
Also Name, Adresse, Beruf und Alter angegeben. Dann kam der Klassiker: „Wir rufen sie dann an.“ „Aha“, meinte ich „und bis wann?“
Schließlich möchte ich irgendwann ja auch wissen, woran ich bin und ab wann ich mir den Job abschminken kann. Die Dame an der Kasse wurde ungehalten und wiederholte die Sätze, die sie bisher gesagt hatte. Denn die Antwort darauf hatte sie von Frau A. und Frau B. nicht bekommen. Die Idee mit den Aushilfen für Weihnachten war ja schon klasse genug. Das reicht an Organisation für einen Tag.
Und zweitens wurde ihr mit meiner Frage klar, dass hinter ihrer „Mini-Macht“, die sie mit Namensammeln zugeteilt bekommen hat, rein gar nichts steckt, weil sich nicht mal einfache Fragen beantworten kann.
Nachtrag: Die Buchhandlung gibt es in der Größe von 2004 auch nicht mehr. Aber das liegt natürlich nicht daran, dass ich dort für einige Zeit nichts mehr gekauft hatte.