Forschungsfeudalismus

Ein Kollege an der Uni sagte mal, das wäre das letzte Feudalsystem Deutschlands. Der aktuelle Faz-Artikel legt nahe, dass es nicht nur an der Uni so ist.

FAZ: Max-Planck-Gesellschaft – Es mehren sich die Fälle, in denen Direktorenherrlichkeit unwidersprochen bleibt Ein Stipendiat zieht in eine andere Stadt und will die Promotion dort fertigstellen – eigentlich kein Problem, denn für Stipendiaten besteht keine Anwesenheitspflicht in einem Institut. Doch der Direktor lehnt das kategorisch ab und beschließt, dass es keine Weiterführung des Stipendiums geben würde. Pikant ist der Fall, weil der Direktor in seiner Begründung direkt auf die Auskunft der Generalverwaltung verweist, wonach die Förderverlängerung von der Anwesenheit am Institutsort abhänge – ein klarer Bruch der Vorschriften

Bewerbungsfristen für Ausbildungsplätze

Welcher Schüler weiß schon was er mal „werden“ will? Allerdings ist es sinnvoll doch schon deutlich vor dem Schulabschluss darüber nachzudenken. Denn einige Ausbildungsbetriebe haben lange Fristen. Bei der Stadt Weiterstadt ist der Ausbildungsjahrgang 2015 schon komplett, da kann man sich dann nur noch für 2016 bewerben.

Echo online: „Nacht der Bewerber“ in Weiterstadt

Ähnliches hatte ich damals© mit der Henri-Nannen-Journalistenschule erlebt. Die schrieben vor x Jahren im Mai ihre Stipendien für den September des Folgejahres aus. In der Zwischenzeit gab es ein paar Tests.

Ich vermute ja, dass die Unternehmen solche langen Vorlaufzeiten auch nutzen, um Bewerber unkompliziert auszusieben und sie einschätzen zu können. Wer sich wirklich für so einen Platz interessiert und das nicht aus einer Laune heraus macht, der informiert sich vorher oder wartet dann auf seinen „Traum“ auch mal ein Jahr.

Die Christoph-Graupner-Schule will das Therapiebad behalten

Eltern und Lehrern befürchten, dass das Therapiebad in der Christoph-Graupner-Schule (CGS) sich nach einer Schulsanierung im Nordbad befindet. Die Stadt sieht so aber Inklusion gefördert und gleichzeitig Kosten gesenkt. Die CGS ist eine Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung mit und einer Abteilung für körperliche und motorische Entwicklung.

Echo online: Ungewisse Zukunft für das Therapiebad

„Die Schule ist in diese Diskussion nicht eingebunden“, ärgert sich Ulrike Hestermann, Vorsitzende des Schulelternbeirats. Man brauche das Therapiebad nur von außen zugänglich machen, findet Schulleiterin Gisela Kappacher. „Das könnte rund um die Uhr belegt sein.“ Es sei nur eine Frage der Organisation und eines Zugangs von außen, der nicht durchs Schulgebäude führt.

Die Therapiebadtemperaturen liegen bei rund 33 Grad Celsius, das Becken ist zwischen 30 Zentimetern und 1,20 Meter tief und hat zudem spezielle Vorrichtungen. „Die cerebral paretischen Kinder müssen durchs Wasser gezogen werden“, schildert Konrektorin Elvira Gotta-Wolf ein Beispiel. Cerebralparesen sind Bewegungsstörungen infolge einer Hirnschädigung oder -entwicklungsstörung.

Die Schule würde das Bad gerne weiterhin angrenzend an ihr Gebäude haben. Jede Busfahrt ins (700 Meter Fahrstrecke) Nordbad mit einer Klasse mit Schülern mit Behinderungen wäre sehr aufwändig, weist Gisela Kappacher hin. „In der Regel habe wir zwei Rollstuhlfahrer in den Klassen“,einige Kinder seien auch mehrfach behindert.

Ein Neubau an der CGS mit öffentlichem Zugang würde laut Stadt aber mindestens 450.000 Euro mehr kosten wegen Schwimmbadtechnik, Nebenräumen, Umkleiden und Kassenbereich.

23. Juli: Sanierung Christoph-Graupner-Schule kommt ins Stadtparlament

Fundstück: Geld als Bildungsanreiz funktioniert schlecht

Geld für gute Noten bringt nur den eh schon guten Schülern etwas. Aber:

Faz.net Wirtschaftsblog – Geld für gute Noten: Besonders effektiv klappt das, wenn die Ziele relativ einfach sind. Wenn es etwa darum geht, schlicht Anwesenheit in den Klassenräumen herbeizuführen. In Mexiko bekamen Familien, die ihr Kind zur Schule schickten, 55 Dollar pro Monat. Das führte dazu, dass Kinder früher eingeschult wurden, bessere Noten hatten …

„Thilo Sarrazin hat grundlegende genetische Zusammenhänge falsch verstanden“

Der Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland sagt etwas zu Sarrazinischen Regeln der Genetik. Wie üblich bei Wissenschaftlern, die ehrlich sind, sind die Aussagen aber nicht immer so absolut, wie es in einer politischen Debatte hilfreich wäre, sodass man immer wieder was findet, wo man einhaken könnte:

Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin hat bei der Vorstellung seines neuen Buches “Deutschland schafft sich ab – Wie wir unser Land aufs Spiel setzen” provokante Thesen aufgestellt, die eine kontroverse Diskussion ausgelöst haben. In Bezug auf die Aussagen Sarrazins zur Genetik verwehrt sich der Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBIO e. V.) entschieden gegen jede Verfälschung und politische Instrumentalisierung biologischer Fakten. – Sei es durch Thilo Sarrazin selbst, sei es durch andere Teilnehmer der derzeit laufenden öffentlichen und medialen Debatte.

Die genetischen Thesen von Herrn Sarrazin sind nicht mit den modernen Erkenntnissen zur Evolutionsbiologie des Menschen vereinbar. Evolutionsbiologisch gesehen ist der Mensch eine der genetisch homogensten Spezies die es auf der Erde gibt. Im Vergleich zu anderen Spezies sind die Unterschiede zwischen Populationsgruppen sehr gering. Tatsächlich sind die Unterschiede innerhalb von Populationsgruppen etwa 5-fach höher als zwischen ihnen. Weiterlesen

Wer jetzt beim Beruf flexibel ist, muss später gut lügen können

Junge Menschen sollen flexibel sein, was ihre Ausbildung angeht. Sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt.

„Ich appelliere an die jungen Männer und Frauen, nicht nur ihren Traumberuf im Auge zu haben, sondern sich auch für eine Ausbildung in anderen Bereichen zu interessieren.“

Und jetzt ein Zeitsprung: 2014 sitzt ein Fachinformatiker, der gut abgeschlossen hat, beim Einstellungsgespräch. Und dann kommt so eine Personalerfrage: „Wenn Sie noch einmal ganz von vorne anfangen könnten, was würden Sie wieder genauso machen, und was würden Sie anders machen?“ – „Mechatroniker lernen, nur war vor vier Jahren damals nichts frei.“ – „Und warum haben sie dann Fachinformatiker gelernt?“ – „Der Herr Hundt hat gesagt, wir sollen flexibel sein.“

Tja, blöderweise hat der Herr Hundt vergessen zu sagen, dass man bei dieser Frage im Vorstellungsgespräch nicht ehrlich sein soll, wenn die Ausbildung nicht der Traumberuf war. Denn seit Jahren sagen Bewerberratgeber bei der „ich würde es jetzt anders machen“-Antwort:

Mit dieser Antwort wird Ihnen kein Personalverantwortlicher abnehmen, dass Sie Ihren Job mit Motivation machen. Damit haben Sie Ihre Chancen verspielt.

Wir werden also nicht nur flexible Ausbildungswillige brauchen.

„Nachttanzdemo“ verläuft friedlich

Eine vom Ordnungsamt Darmstadt genehmigte Veranstaltung des „Aktionsbündnis gegen Studiengebühr“, am Freitag, 14. Mai verlief friedlich. Trotz des Nieselregens zu Beginn nahmen zirka 350 Menschen an der vom Veranstalter als „Nachttanzdemo“ deklarierten Veranstaltung teil.

Nach einer Auftaktkundgebung am Karolinenplatz um 22.30 Uhr, setzte sich der Aufzug, der von drei (aus Polizeisicht etwas zu laute) Lautprecherfahrzeugen begleitet wurde, gegen 22.50 Uhr, über die Zeughausstraße zum Steubenplatz in Bewegung. Von dort marschierten und tanzten die Teilnehmer über die Rheinstraße zum Luisenplatz, wo eine Zwischenkundgebung stattfand.

Der weitere Marschweg über Wilhelminenstraße – Elisabethenstraße – Schulstraße – Kirchstraße – Holzstraße, führte zum Marktplatz vor dem Schloß. Hier verzichtete der Veranstalter auf eine Abschlusskundgebung und erklärte die Veranstaltung für beendet. Die Demonstraten zogen in die Schlosshöfe und ließen die Musik noch etwas laufen. Während des Demonstrationszuges kam es zu geringfügigen Verkehrsbeeinträchtigungen (gesperrte Kreuzungen, bis die Demo vorbeigezogen war.)

Eine der gehaltenen Reden kann man beim antifa.net nachlesen, meine Reportage steht hier: Nachttanz als alternative Protestform.

Das letzte Feudalsystem

Ach ja, in der Schweiz ist es genauso übel wie ich es damals über deutsche Unis hörte. Was mich langsam erschreckt ist, dass das 2010 die gleichen Geschichten sind die ich von vor 15 Jahren kenne.

Tagesanzeiger (Schweiz) – „Die Uni ist ein Feudalsystem“: Kaum ein Tag verging ohne unbezahlte Überstunden. Einige Male muckste sie auf. Der Professor schrie sie dann an: Sie sei zu geldgierig. Keine echte Wissenschaftlerin. Denn Wissenschaft, das sei Leidenschaft. Wer für ihn arbeitete, tat dies ohne Arbeitsvertrag, ohne geregelte Pflichten und Arbeitszeiten. «Es war die reinste Willkürherrschaft. Entweder man unterwarf sich, oder man wurde fertiggemacht.» Sie war nicht die Einzige, die irgendwann genug hatte. Drei ihrer Kollegen verliessen gleichzeitig mit ihr das Institut.

Im Deutschlandfunk gab es am 30. April eine Podiumsdiskussion zum Promovieren: Der Weg zur Promotion Schule oder freie Selbstbestimmung?, nachzuhören als MP3 (ca. 20MB).

Urkreuze, Urknäul und vierbeinige Hühner – Kulturpädagoge erklärt Hintergründe kindlicher Zeichnungen

„Ein Kind will zeichnen was es weiß, sieht und fühlt“, beschreibt Knut Philipps den Unterschied zwischen Erwachsenen- und Kinderzeichnen. „Die Erwachsenen wollen in der Regel etwas Gegenständliches gezeichnet haben. Kinder zeichnen was sie erleben. “ Mitte Oktober erläuterte der Kunstpädagoge Philipps in der ASB Kindertagesstätte „An der Modaubrücke“ Kinderzeichnungen. Philipps war unter anderem Lehrbeauftragter am Institut für Kunstpädagogik der Johann Wolfgang von Goethe-Universität in Frankfurt.

„In die kindlichen Zeichnungen fließen ein: Beobachtung, Wissen, Wahrnehmung, Vorstellung und Wunschdenken.“ Dabei entwickelten sich die Kinderbilder weltweit gleich. Überall entstünden Kopffüßler, beschrieb Philipps, der auch Vorsitzender des Mühltaler Vereins „Archiv Kinderkunst“ ist.

Er erklärte warum ein Vogel in einer Kinderzeichnung ein Gesicht und vier Beine hat: In der kindlichen Logik sei der Vogel ein Lebewesen wie das Kind, also bekomme er ein Gesicht mit Nase, Mund und Augen. „Und weil es ein Vogel ist, bekommt er auch einen Schnabel.“ Philipps ergänzt die Zeichnung nun um vier Beine und lacht: „Da verzweifeln die Erwachsenen erneut.“ Aber das Kind wisse, dass der Vogel ein Tier sei und ein Tier habe mehr Beine als die Menschen. „Lassen sie sie so denken“, bat er, mit der Zeit lernten die Kinder dazu. Schablonen oder Klischees wie schematische Vögel aus zwei Bögen sollte man vermeiden. Man könne nicht verhindern, dass Kinder damit konfrontiert würden und sie übernähmen, aber man könne Klischees durch Nachfragen aufweichen.

Auch frühe Kinderzeichnungen solle man aufbewahren. Vor allem mit einer kurzen Erläuterung dokumentieren und in eine Mappe legen. „Kritzeln ist nicht kritzeln.“ Man spreche von Hieb- oder Schwungkritzeln, Urkreuzen und Urknäuln. Mit einem Urkäul (zahlreiche kreisförmige Linien) kann das Kind beispielsweise einen Elefanten malten – mit einem langen Strich, der aus dem Urknäul herausgeht. Pars pro toto, erklärt der Kunstpädagoge, der Strich ist der Rüssel und dieser Teil (pars) steht für den ganzen (toto) Elefanten.

Der Kunstpädagoge empfahl den dreißig Zuhörerinnen in den Kindergärten fürs Malen Impulse jenseits der üblichen Häuser-, Schneemann- oder Wiesenbilder zu setzen. Beispielsweise durch das Thema Zähneputzen. „Das schäumt, die Zähne, der große Mund, da haben sie ein fantastisches Bild“, schwärmte Philipps. Und die „leidigen Schablonen“ zum Ausmalen oder Ausschneiden solle man in den Müll zu werfen.

Buch: „Warum das Huhn vier Beine hat“ von Knut Philipps, STMV Verlag, ISBN: 978-3-87820-123-6

Waldkunstpfad – Kunst im Bessunger Forst

Riesenholzfüße, Seerosen aus Pappe auf dem Goetheteich, ein Haus ohne Dach oder eine kleine Wasserrinne geben dem unbedarften Spaziergänger zwischen Herrgottsberg und Ludwigshöhe Rätsel auf.

Es sind Kunstwerke des diesjährigen Waldkunstpfades (www.waldkunst.com). Die Füße stammen von Jems Koko Bi von der Elfenbeinküste und symbolisieren wie der Mensch durch die Natur schreitet, aber auch den Kontakt zwischen Mensch und Natur. Das Haus ist ein Werk Walter van Broekhuizens, es soll für das Leben in der Einsamkeit stehen. Der Niederländer Broekhuizen wurde dazu von dem dem Roman „Walden. Oder das Leben in den Wäldern“ von Henry David Thoreau inspiriert. Aber keine Kunst ohne Bürokratie. Das Haus hat kein Dach, weil sonst eine Baugenehmigung notwendig gewesen wäre.

Kuratorin Ute Ritschel hat 15 Künstler unter anderem aus Argentinien, Deutschland, Italien, Portugal, den Niederlanden, Schweden, den USA gewinnen können. Alle zwei Jahre organisieren sie und der Verein für Internationale Waldkunst einen Kunstpfad im Bessunger Forst. Dieses Jahr ist das Thema „Kreisläufe und Systeme“. Teilweise binden die Werke Objekte früherer Ausstellungen mit ein. Massimo de Giovanni hat gegenüber einem hölzernen U-Boot aus einen vergangenen Waldkunstpfad „Chaiselongues“ erbaut. Diese Sitz- und Liegegelegenheiten kann man aber auch als Wellen auffassen, die auf das U-Boot zulaufen. Das bei Kindern beliebte Boot ist übrigens eines der wenigen Werke, das permanent gepflegt und erhalten wird. Einige Werke sind auch ganz bewusst nicht für die Ewigkeit. So ist Regina Franks „Solarkleid“ auf der Sternwarte inzwischen vom Wind zerzaust.