Ein kleiner Baum in der Wilheminenstraße und ein Kommunikationsdesaster

Manchmal schafft es ein kleiner Baum auf die Seite 1.

Da wird ein kleiner Baum in der Wilheminenstraße gefällt, damit ein Café mehr gefälligen Platz für Außengastronomie hat. Normalerweise ist das nicht einmal eine Meldung.

Aber dann wird das ein Kommunikationsdesaster für Stadt und Grün-Schwarz. Und die haben dort bezahlte Kräfte sitzen, deren Job Kommunikation ist!

Ich mag eigentlich so Maximalformulierungen wie “Desaster” nicht, aber gemessen an der Kleinheit des Baumes, der Resonanz hier auf Facebook und im Echo, ist es ein Desaster, keine Panne oder einfach nur ungeschickt. Zumal gestern OB und Kämmerer in einem Pressegespräch den genehmigten kommunalen Haushalt vorstellten und das doch die Geschichte hätte sein müssen.

Stattdessen gab es zwei längere Facebook-Diskussionen – und ohne die üblichen Verdächtigen. Und dann hat das zu zwei Zeitungsartikeln auf der ersten Seite, darunter ein Aufmacher und dann noch zu einem Kommentar, geführt.

Dabei wäre das Thema ohne Not lösbar gewesen, indem man tatsächlich mal die Möblierung der Wilheminenstraße mit den großen Steinhuppeln als überdenkenswert erklärt, denn die verbrauchen tatsächlich Fläche. Aber so sah es so aus, als wollte man einem Wirt einen Gefallen tun.

Manchmal sogar zweimal.

Dahinter steht dann nochmal die Darmstädter Baumschutzsatzung. Die verbietet Privatleuten, Bäume auf ihrem Grundstück ab einer bestimmten Größe zu fällen. FÜr die Stadt und ihre Flächen gilt diese Satzung nicht. “Natürlich” werden da einige sagen.

Grüner Teppich zwischen Kuppel und Kubus – Die südliche Wilheminenstraße soll im Frühjahr 2013 Fahrradstraße werden

Die Wilheminenstraße soll 2013 zwischen Wilheminenplatz und Gothestraße (rund 700 Meter) Fahrradstraße werden. Das Foto zeigt den Blick nach Norden von der Schader-Stiftung aus.

Am Anfang stand eine Wertungstafel mit blauen Punkten am Mittwochabend (23.) in der Mensa Mornewegschule. Moderator Robert Ahrnt gab jedem der rund 50 Teilnehmer fünf blaue Klebepunkte, um vor und nach der Veranstaltung Interessen und Stimmungen zu erfahren. Rund zwei Drittel der Teilnehmer gaben an, innerhalb Darmstadts vieles oder fast alles mit dem Fahrrad zu erledigen. Daher war es keine Überraschung, dass zwei Drittel die geplante Fahrradstraße vorab schon positiv bewerteten.

Wie sich zeigte, waren überwiegend Vielradler gekommen (ich bin auch einer), die eine eigene Straße natürlich positiv finden. Egal wie kurz die Strecke ist.

Die im Auftrag der Stadt arbeitende freie Stadt- und Verkehrsplanerin Karin Weber stellte die Planung vor. Die Wilheminenstraße zwischen Wilheminenplatz (Kuppelkirche St. Ludwig) und Goethestraße (Kubus der Schader-Stiftung) soll im kommenden Frühjahr zur Fahrradstraße werden. Planungsdezernentin Brigitte Lindscheid rechnet damit, dass die Umgestaltung 40.000 Euro bis 50.000 Euro kosten wird.

„Die Planung ist noch nicht fertig“, sagte Karin Weber. Im Moment laufe die Bürgerbeteiligung und die Fachämterstimmten sich untereinander ab. Die baulichen Veränderungen der Wilheminenstraße seien für das Frühjahr 2013 geplant, sagte Weber, danach sei die Eröffnung geplant.*

An ihrem Südende (Kreuzung Goethestraße) soll die Wilheminenstraße zugänglicher für Radfahrer werden. Das kurze Stück, das Goethe-und Klappacher Straße verbindet ist mit 4,70 Metern breit genug für Auto- und Radfahrer, sodass Radler dort von der Klappacher Straße aus in die Goethestraße oder Wilheminenstraße fahren können.
Die Wilheminenstraße wird dann Vorfahrtstraße mit grünen Fahrbahnmarkierungen (Weber: „Wir rollen den Radfahrern den grünen Teppich aus.“) an den Kreuzungen. An der Heinrichstraße (50.000 Fahrzeuge pro Tag) komme man aber nicht vorbei, erklärte Karin Weber. Daher bleibe dort die Ampel.

Am Wilheminenplatz und St. Ludwig soll die Radfahrstraße über die Ostseite geführt werden, da an der Westseite neben der (Georg-Büchner-Anlage) jetzt schon ein Fußgängerbereich sei, erklärte die Planerin, auch wenn zwei Dritter der Radfahrer über die Westseite fahren. Enden wird die Radstraße an der Hügelstraße, die dort aufgepflastert und barrierefrei gestaltet werden soll.

Der Wilheminenbuckel wird in Süd-Nord-Richtung (bergab) weiterhin für Radfahrer gesperrt bleiben. Die Planer wollen den Radverkehr nach dem Wilheminenplatz über die Hügelstraße, Zimmerstraße und Grafenstraße an der Innenstadt vorbeileiten. Wobei die Zimmerstraße dann auch ausgebaut werden muss. Viele Radfahrer wollten nicht in die Innenstadt, erklärte Karin Weber, dass die Fahrradstraße nicht über die Fußgängerzone Wilheminenstraße fortgesetzt werden soll. Zudem seien am Wochenende dort viele Fußgänger unterwegs.

Eine Lösung, die auch Planungsdezernentin Brigitte Lindscheid bevorzugt, da sie die „relativ klare Regelung“ am Wilheminenbuckel beibehalten will. Vorschläge der Teilnehmer zu bestimmten Tageszeiten die Durchfahrt zu erlauben oder die Fußgängerzone mit einem mittigen, farbig abgegrenzten Radfahrstreifen auszustatten, sah die Dezernentin skeptisch.

Am Ende stand eine Wertungstafel mit roten Punkten und ähnlichen Fragen. Allerdings war die Teilnehmerzahl im Lauf des Abends um die Hälfte auf 25 geschrumpft. Den Infoabend selbst fanden drei schlecht. Drei Viertel bewerteten nach der Veranstaltung die vorgestellte Fahrradstraße und die Planung dazu positiv.

Nach über zwei Stunden Veranstaltung war nur noch die Hälte der Bürger übrig. Entweder waren nur noch die Fahrradstraßenkenner übrig geblieben oder doch einige schlauer geworden.

(Dieser Artikel erschien – ohne Fotos – heute in den Bessunger Neuen Nachrichten.)


* Dieser Ablauf hatte mich damals ja schon etwas gewundert, da die Bürgerbeteiligung einfach so eingepreist war und es offenbar – egal was dabei – rauskommt, auf jeden Fall dann eine Fahrradstraße kommt. Sollte sowas nicht ergebnisoffen sein?