“Dogs of Berlin” mit 08/15-Plot

Ich weiß ja nicht, was sich Serienautoren so denken. Wenn ich über “Dogs of Berlin” bei SpOn lese

Bei ihren Ermittlungen stapfen die Kommissare (…) in einen Sumpf aus Spielwetten, Drogen und Prostitution (…) (Der eine Kommissar) lebt mit Frau Paula und zwei Kindern im feinen Eigenheim mit Sofalandschaft und hält sich nebenbei die alkoholkranke Sozialhilfeempfängerin Sabine  als Geliebte.

dann ist doch das 08/15-Schema eines Drehbuchs: Die Hauptfigur braucht einen äußeren und einen inneren Konflikt. Der äußere Konflikt ist der Kriminalfall und der innere Konflikt ist die Geliebte. Fertig, Plot durchschaut.

Nur weil man es jetzt hier im Netflix-Style extra krass gestaltet, ist das nichts neues. Liebe Autoren, lasst euch euch doch mal was anderes einfallen. Wie wäre es mal mit einem nicht abgefuckten Polizisten? Wie wäre es mal konstruktiv? Oder man tarnt sein 08/15-Schema besser.

AbGEZockt? Verdacht auf Vetternwirtschaft beim NDR

Die NDR-Fernsehspielchefin wurde vergangene Woche suspendiert, weil sie ihren Ehemann verdeckt als Autor beschäftigt haben soll. Der Mann soll unter Pseudonym geschrieben haben und sei eher schwer kontaktierbar gewesen. Die Süddeutsche Zeitung hatte das aufgedeckt und scheint noch mehr gefunden zu haben:

So zahlte eine Agentur mehrmals hohe Beträge für wahrscheinlich fiktive Leistungen. Zum Beispiel ging eine 15000 Euro -Rechnung ein für die angebliche Überarbeitung eines Drehbuchs. Aber die Autorin sagt auf Anfrage ihr Buch sei exakt so verfilmt worden, wie sie es geschrieben habe.

Sind ja nur unsere Gebühren. Nebenbei: Wenn das so bei einer Zeitung oder Zeitschrift läuft und man das nicht gut findet, kann man irgendwann ja mal das Blatt durch Nichtkauf bestrafen. Ist ja kein Einzelfall, gab ja auch mal den Herrn Emig. Aber erzähl das mal einer mit der GEZ.

Der Verband Deutscher Drehbuchautoren ist nicht wirklich überrascht:

Die Zeichen mehrten sich – mehr als ein Kollege mit einschlägigen ARD-Erfahrungen mag sich bestätigt fühlen. […] Fälle, in denen Redakteure und Redakteurinnen Drehbücher nicht abgenommen haben, um dann selbst für kleine Korrekturen weitere Raten des Honorars zu kassieren, Drehbücher, die ohne fundierte Begründung den Autoren entzogen wurden, Producer, die für ein paar kleine dramaturgische Einfälle Autoren-Kredits verlangen […] auch deshalb haben Kolleginnen und Kollegen geschwiegen, die schon seit Jahren von den Machenschaften wussten oder betroffen waren.

Und auch Hans Leyendecker legt nach:

Fast ein Jahrzehnt lang wurde beim NDR gemauschelt und bezeichnend ist, dass die Mitarbeiter erst jetzt auspacken. Vorher herrschte die Omerta: Wer redet, fliegt. Die Mitarbeiter trauten sich nicht, den Verdacht, den alle hatten, zu melden.

Als freier Drehbuchscheiber fragt man bei so etwas eben nicht zu viel nach. Denn der Stern weiß: “Um die 25.000 Euro beträgt das Honorar etwa für ein “Tatort”-Drehbuch, bei Wiederholung des Films im Ersten erhält der Autor ein Wiederholungshonorar.” Und das mag man ja nicht ohne Not verscherzen.

Nachtrag, 31.8.2009: Meedia hat die Quoten der Filme des pseudonymisierten Ehemanns mal nachgeschaut: NDR-Phantom: Nur ein Drehbuch war ein Hit

Nachtrag, 8.9.2009: jetzt.de: Mittelmaß und Wahn
FAZ: Verblödung mit System