Wie man es macht …

Parteien haben es schon schwer. Steht bei einem Parteitag nur ein Kandidat zur Wahl und bekommt fast 100 Prozent, lächelt man ob des volksdemokratischen Ergebnisses und fragt sich wie es denn mit der innerparteilichen Demokratie aussieht.

Stehen zwei Kandidaten zur Wahl und es geht knapp aus, dann zweifelt man an Schlagkraft und Geschlossenheit der Partei.

Was anderes ist es, wenn ein einzelner Kandidat nur knapp gewählt wird, dann sollte er schonmal nachdenken.

Bombay, Bambi, Bälle – kleine polemische Zusammenstellung

Die Welt:

Es ist 11.05 Uhr in Deutschland, auf allen Kanälen läuft etwas zur Krise in Bombay. Überall? Nein, die gebührenfinanzierten Sendern zeigen nichts.

SpOn:

Als sich im Laufe des Donnerstags die ganze Dimension der terroristischen Attacken in der westindischen Metropole Mumbai abzeichnete […] erwogen die Chefredakteure der ARD-Sender, einen aktuellen „Brennpunkt“ zu den Vorfällen vorzubereiten. […] Programmdirektor Volker Herres entschied sich gegen den „Brennpunkt“. Stattdessen lief, wie vorgesehen, die „Bambi“-Preisverleihung aus Offenburg.

Und zum Schluss: Für die Fußballbundesligarechte 2009 bis 2013 zahlen ARD und ZDF pro Jahr rund 110 Millionen Euro. (FAZ)

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Eigentore

Seit einiger Zeit gibt es einen Konflikt zwischen dem DFB und einem Sportjournalisten. Der DFB-Präsident Theo Zwanziger fühlt sich diffamiert, hat aber von zwei Gerichten keine einstweilige Verfügung gegen den Sportjournalisten Jens Weinreich bekommen.

Inzwischen läuft das ganze beim DFB über den Weg, der am schnellsten Gerechtigkeit schaft: Den der Selbstgerechtigkeit. Zu bewundern in der Süddeutschen Zeitung.

Die ganze Geschichte gibt es bei Jens Weinreich.

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Für den Ruhm und Lohn anderer

Manchmal werden einem ja Artikelthemen vorgeschlagen. Medien-Miezen* versuchen ihren Job gut zu machen und ihre Firma oder ihren Kunden gut in der Zeitung zu präsent- und platzieren.

Und es gibt Tage, an denen ich mich, ob des Unrechts der Welt verbittert, frage ob ich darauf eingehen soll. Ich arbeite in dem Moment nämlich für den Ruhm und Lohn anderer. Und es gibt Tage an denen mich das gewaltig stört.

Warum sollte ich das einer Redaktion vorschlagen? Das ist kostenlose PR. Würde ich es als PR schreiben, wäre mein Satz höher. Sauber recherchiert ist er auch nicht und so richtig unabhängige Berichterstattung ist ebenfalls was anderes. Andererseits könnte ich einen Artikel schreiben, aber der Text ist für die Medien-Mieze mehr wert als er mir bringt.

* – Platzhalter, kann auch ein Kommunikations-Kater sein.

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Jahreslanges Sammeln

Small-Talk halten bei Terminen und Infos, die man eigentlich nie in einem Artikel schreiben kann und die einem nichts bringen. Aber irgendwann hat man dann doch diese Gelegenheit, in der man die Geschichte mit den Kosmetikschülerinnen, der Gurkenkräuterpackung und dem Ministerpräsidenten schreiben kann. Wie der Kollege von der FAZ:

Über Roland Koch und Andrea Ypsilanti: Ein hessisches Verhängnis

Schön ist natürlich auch, dass alle Menschen einen Rechtfertigungsdrang haben und deswegen einem vieles erzählen.

Jungjournalistin?

Ich gebe zu, mit zunehmend mehr Kerzen auf der Geburtstagstorte kann ich das Alter jüngerer Menschen immer schlechter schätzen. Aber bevor ich eine Frau als „Jungjournalistin“ bezeichen würde, würde ich vorher doch mal nachschauen. Vor allem, weil man dann feststellen muss, dass die 32 Jahre alte Heather DeLisle schon mit 15 Jahren bei AFN Radio gemacht hat.

Aber egal, die Sottise muss – und darf – natürlich sein, denn die Frau findet ja John McCain und Sarah Palin gut – und das geht ja man gar nicht:

Die amerikanische Jungjournalistin – Heather DeLisle heißt sie – versucht noch, sich interessant zu machen, indem sie Sarah Palin als ihr persönliches Vorbild bezeichnet, aber das nimmt ihr keiner so recht ab.

Oder ist Artikelautor über 60? Dann setzt bei einem faltenfreien Gesicht einiges aus und jede Frau unter vierzig ist ein junges Huhn. Äh, nein. Das geht also schon früher los? Dann werde auch ich besser auf meine Sätze achten.

Unabhängigkeit

Unabhängigkeit bei einer Zeitung bedeutet nicht, dass sie keine Meinung oder keine Tendenz hat. Unabhängigkeit bedeutet, dass sie weder von einer Partei noch von einer anderen Interessengruppe betrieben wird. „Der Vorwärts“ ist eine SPD-Zeitschrift, der „Bayernkurier“ ist die Wochenzeitung der CSU. Eine unabhängige Zeitung stößt mal in das eine und mal in das andere Horn.

Interessanterweise wird die Unabhängigkeit stets dann von einigen angemahnt, wenn das Blatt nicht der gleichen Meinung ist wie sie.

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Altbekanntes macht Schlagzeilen

Erstaunlich, wie man auf die Nachrichtenseiten, in die Zeitungen und ins Fernsehen kommt, wenn einer sagt, was alle wissen. Alle Zuschauer, aber nicht die Medienmacher, die den Mist verzapfen. Marcel Reich-Ranicki schimpfte auf der Deutscher Fernsehpreis-Preisabwurfparade (schönes Wort) über das Programm:

Ich gehöre nicht in diese Reihe. Ich finde es schlimm, dass ich das hier heute Abend erleben musste.“ Reich-Ranicki ließ sich aus über den „Blödsinn, den wir hier heute Abend zu sehen bekommen haben.

Aber vermutlich müssen wir noch dankbar sein. Erstens sind an dem Preis ARD, RTL, Sat1 und das ZDF beteiligt. Also nur eine Preisverleihung anstelle vier solcher Selbstbeweihräucherungsveranstaltungen. Und zweitens könnten alle vier Sender ja die Veranstaltung zeitgleich übertragen. Ist schließlich bei Hochwohlgeborenen-Hochzeiten, Obama-Ovationen an der Siegessäule und Vatikanchef-Visiten eine gerne praktizierte Übung der Öffentlich-Rechtlichen.

Ich bin mal auf die „Bild“-Schlagzeile gespannt: „Deutschlands mutigster Kritiker“? (nee) Auf jeden Fall sollte Marcel Reich-Ranicki aufpassen die nächste Bambi-Verleihung zu meiden. Sonst bekommt er noch den „Mut-Bambi“ (wie weiland Tom Cruise) verliehen.

Siehe auch:
Indiskretion Ehrensache: Erschreckend, wie wenig es braucht, um die gesamte deutsche Medienjournaille in Erregung zu versetzen.
DWDL: Was das ZDF nicht zeigte: Die peinlichen Momente

Problematisches Urteil zu einem Interview – Zeitung haftet für fremde Aussagen (Update)

Die Saarbrücker Zeitung ist Focus-Chef Markwort vor dem Hamburger Oberlandesgericht im Zitateurteil unterlegen. Die Zeitung hatte Roger Willemsen interviewed und einen Satz von ihm gedruckt, der nicht stimmte. Das Gericht sah, dass die Saarbrücker Zeitung sich diese Aussage zu eigen gemacht habe und daher mithafte.

Focus findet das natürlich gut: Focus- Herausgeber bekommt Recht

Newsroom.de hat dazu mit dem stellvertretenden Chefredakteur der Saarbrücker Zeitung gesprochen: Unfassbares Urteil

Jetzt müsst man das Interview und die Aufmachung kennen, aber ich halte das Urteil in der Tendenz für heikel. Denn dann kann man die Wahlkampfberichterstattung und vieles anderes gleich bleiben lassen.

Kann ich glauben, dass eine Verbrauchermesse 40.000 Besucher hatte, wenn mir der Veranstalter das sagt und ich den als Quelle benenne? Oder muss ich mir die Abrechnungen zeigen lassen und die Besucher am Tor selbst zählen, weil ansonsten ein Wettbewerber die Zeitung abmahnt, weil sie sich auf die Angabe des Veranstalters verlassen und damit gemein gemacht hat?

Muss ich bei einem Verein nachzählen wie viele Kinder er in seinem Jugendabteilungen hat, wenn mir der Vorsitzende eine Zahl sagt?

Update, 17.11.2009: Der Bundesgerichtshof (BGH) hat die Haftung von Journalisten und Verlagen für den Inhalt von Interviews beschränkt.