Was sagt das Bewerbungsanschreiben tatsächlich aus

Huh, die Deutsche Bahn will es Bewerbern leichter machen. Bewerber für Ausbildungsplätze kommen künftig ohne Anschreiben aus.

Ja, warum denn nicht? Denn sind wir doch mal ehrlich: Unternehmen wollen zwar am liebsten Überzeugungstäter als Mitarbeiter, aber trotz ihrer 150-prozentigen Überzeugung wollen die Mitarbeiter seltsamerweise auch ein Gehalt.   So weit her kann es mit der Überzeugung also nicht sein.   Daher kann man meiner Meinung nach den Bewerbungsprozess schon mal hinterfragen und entrümpeln.

Zudem sei das Anschreiben eh ein schwieriges Mittel, um einen Bewerber zu beurteilen, sagt der Wirtschaftspsychologe Uwe Kanning. Es sage eigentlich nur etwas über Berufserfahrung. Aber Moment, die haben Auszubildende ja eher nicht.

Prof. Dr. Uwe P. Kanning: Wenn die Verpackung wichtiger ist als der Inhalt – Aus Sicht der Forschung handelt es sich bei den Bewerbungsunterlagen um ein äußerst stumpfes Schwert der Personalauswahl. Belegt ist lediglich, dass die Fachlichkeit, die Vielfalt der Berufserfahrung – und nicht so sehr die Dauer – sowie Durchschnittsnoten aussagekräftig sind. Sämtliche formale Kriterien bewegen sich im Bereich der völligen Spekulation. (…) Bewerbern kann man angesichts dieser Praxis eigentlich nur eines raten: Vergesst euer Studium, die guten Noten, Auslandsaufendhalte & Co. Was zählt, ist letztlich die Verpackung.


50 Strategien, die falschen Mitarbeiter zu finden …
und wie Sie es besser machen können
von Uwe Peter Kanning

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Man trifft sich zweimal

An dem Spruch ist was dran. Neulich traf ich auf einem Termin einen Abteilungsleiter, bei dem ich mich vor zehn Jahren einmal auf eine Stelle beworben hatte. Als ich ihn darauf ansprach, war zunächst neugiergig, dann aber befremdet. So richtig konnte er die Situation nicht einschätzen, da meine Bewerbung auch mit einer Absage geendet hatte. Und dass man einen Ex-Bewerber mal wieder trifft, scheint eher selten zu sein.

Blöd waren damals zwei Dinge: 1. Ich hatte mich zuerst initiativ und eine Woche später (als ich eine Stellenanzeige entdeckt hatte) ausschreibungsbezogen beworben. Auf die Initiativbewerbung erhielt ich eine Absage, für die andere Stelle – gleiche Bewerbung – maximal einen Tag später die Einladung. 2. Die Absage musste ich mir selber holen. Nach einigen Wochen fragte ich via E-Mail nach, was los ist und erfuhr, dass die Stelle schon längt vergeben war. Wegen diverser Urlaube sei aus Versehen keine Absage verschickt worden.

Es geht auch anders, wie ich dieses Jahr erleben durfte. Eine halbe Woche nach dem Gespräch rief man mich an.