11. Juli 1914 – Deutsche werden ungeduldig, Mord-Ermittler treffen sich

Deutschland will den Konflikt lokal zwischen Serbien und Österreich-Ungarn halten, was aus seiner Sicht aber nur geht, wenn die k.u.k-Monarchie schnell handelt. Am 11. Juli ärgert sich der deutsche Kanzler Theobald von Bethmann-Hollweg, wie sein Sekretär und Berater Kurt Riezler notierte:

Anscheinend brauchen [die Österreicher] furchtbar lange, um zu mobilisieren, sagt Hötzendorf. Das ist sehr gefährlich. Ein schnelles fait accompli und dann freundlich gegen die Entente – dann kann der Choc [sic!] ausgehalten werden.

Die österreich-ungarischen Ermittler, Sektionsrat Friedrich Ritter von Wiesner, ein ehemaliger Richter, und Gerichtssekretär Leo Pfeffer treffen sich in Sarajevo. Pfeffer hatte die Attentäter vom 28. Juni verhört.

nachrichten.at: Pfeffer & Wiesner: Die Ermittler von Sarajevo Der Lehrer Danilo Ilic hat ausgepackt – und vage Anhaltspunkte für eine Beteiligung Belgrads geliefert. (…) Dem eigentlichen Drahtzieher des Attentats, dem serbischen Geheimdienstchef Dragutin Dimitrijevic – in Serbien unter dem Namen Apis bekannt und gefürchtet – kommen weder Pfeffer noch Wiesner auf die Spur.

Und das mit Ilic war eher Zufall, denn er war nach dem Attentat einfach so festgenommen worden, er war keiner der Gruppe, die mit Mordplänen angereist war

Süddeutsche.de: Ermittler im heikelsten Mordfall des jungen Jahrhunderts Als Ilić dem Richter gegenübersaß, wurde er nervös – und packte aus. In diesem Moment wurde Pfeffer bewusst, dass in den Mord auch Personen in Belgrad verwickelt waren. „Hätte Ilić kühlen Kopf bewahrt und beim Verhör irgendeine Geschichte aufgetischt, er wäre vermutlich binnen weniger Tage wieder entlassen worden“, schreibt Remak. Doch Ilić habe Angst gehabt und geredet.

In Berlin lehnt es Außenstaatssekretär Gottlieb von Jagow ab, Österreich-Ungarn zu erklären, was es von Serbien fordern soll:

Die deutschen Dokumente zum Kriegsausbruch 1914: Zur Formulierung der Forderungen an Serbien können wir keine Stellung nehmen, da dies Österreichs Sache ist. Uns es nur erwünscht, daß Wien genügend Material sammelt, um zu beweisen, daß in Serbien eine großserbische Agitation besteht, welche Monarchie gefährdet, damit öffentliche Meinung Europas soweit als möglich vom guten Recht Österreichs überzeugt wird. Dies Material wäre am besten — nicht getrennt, sondern einheitlich — kurz vor Stellung der Forderungen bzw. des Ultimatums an Serbien zu publizieren.

Parallel dazu suchen Deutsche und Österreicher Verbündete.

Die deutschen Dokumente zum Kriegsausbruch 1914: Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in Rom Wir haben es der österreichisch-ungarischen Regierung überlassen, die ihr geeignet scheinenden Schritte zu tun und ihr erforderlichenfalls unsern Beistand im Sinne des Bündnisses zugesagt. Wir haben uns ferner damit einverstanden erklärt, daß Österreich-Ungarn in Verhandlungen mit Bulgarien wegen dessen Beitritt zu unserer Bündniskombination tritt.

König von Rumänien, durch uns über diese Absicht informiert, hat sich reserviert, aber nicht ablehnend verhalten.

Österreich-Ungarn Ultimatumpläne sickern durch, wie Christopher Clark schildert. Gottlieb von Jagow informiert am 11. Juli den deutschen Botschafter in Rom über Österreichs Pläne. Der deutsche Botschafter in Rom, Hans von Flotow, erzählt das aber dem italienischen Außenminister San Giuliano, der das seinem Ministerium und das reicht die Information an die Botschaften in St. Petersburg, Bukarest und Wien weiter.

Der 11. Juli ist ein Tag, der auch ziemlich direkt mit mit Dragutin_„Apis“ Dimitrijević zu tun hat. Denn der Tag ist der Geburtstags des serbischen Königs Peter (Karađorđević). Der aber nur im Amt ist, weil Apis 1903 eine Verschwörung (Schwarze Hand) anführte, in der König Alexander (Obrenović) ermordet wurde.

Über das Hin und Her beim serbischen Fürstenamt berichtet sehr schön das Blog ersterweltkriegheute.de: (Un-)Happy Birthday, Peter I.

Kaiser Wilhelm II., auf Urlaub an der norwegischen Küste, überlegt mit Blick auf die Krise, ob er dem König zum Geburtstags gratulieren soll.

SpOn: Urlaub vorm Weltenbrand Ungeduldig verfolgte Wilhelm II. das Vorgehen der Donaumonarchie gegenüber Serbien. Gleichzeitig bemühte sich der Kaiser, Belgrad gegenüber den Schein zu wahren: Am 11. Juli zerbrach er sich tatsächlich den Kopf darüber, ob es sich zieme, angesichts der Krise das alljährliche Geburtstagstelegramm an den serbischen König Peter I. abzuschicken.

10. Juli 1914 – Herzinfarkt in der k.u.k-Botschaft in Belgrad

Nikolaus Hartwig, der russische Botschafter in Serbien, besucht den österreich-ungarischen Botschafter und stirbt in der k.u.k-Botschaft.

kurier.at: Tod durch Herzschlag in der Gesandtschaft Während der Konversation, „die in einem sehr konzilianten Tone geführt wurde, griff der Gesandte von Hartwig plötzlich mit der Hand gegen das Herz, beugte den Kopf und fiel vom Kanapee auf den Fußboden“.

wienerzeitung.at: Diplomatie mit Hintergedanken Erst später erkannte (Wiens Botschafter) Giesl die weitreichenden Folgen von Hartwigs unerwartetem Tod. Dieser war nämlich von der Schlagkraft der serbischen Armee wenig überzeugt und wollte deren Aufrüstung abwarten, bevor man zu einem späteren Zeitpunkt gemeinsam mit Russland zum großen Krieg gegen die Donaumonarchie ausholte.

Problem waren jetzt nur die Gerüchte, dass Giesl seinen russischen Kollegen umgebracht hat:

welt.de: Österreichs Gesandter soll Russen ermordet haben – Obwohl der 56-Jährige bekanntermaßen an Angina Pectoris und starkem Bluthochdruck gelitten, sich auch in den ersten Julitagen fortdauernd sehr schlecht gefühlt hatte, stand für Ludmilla von Hartwig sofort fest: Ihr Vater musste von Giesl ermordet worden sein.

Nikolai Hartwig war auch kein Freund der Österreicher:

ersterweltkriegheute.de: Anstatt – wie alle anderen Gesandten in der serbischen Hauptstadt – die Fahne vor seiner Botschaft auf Halbmast hängen zu lassen, lud er am Abend des 28. Juni zu einer kleinen Party ein.

Der österreich-ungarische Generalstabschef Franz Conrad von Hötzendorf schreibt am gleichen Tag an seinen Außenminister Leopold Graf Berchtold einen Brief und drängt auf einen klaren und wenn dann schnellen Kriegskurs.

Der k. u. k. Chef des Generalstabes an Grafen Berchtold: Für mich, in meiner Eigenschaft als Chef des Generalstabes, kommt nur die präzise Formulierung der Entscheidung in Betracht, ob auf den Ausbruch eines Krieges gegen Serbien direkte hingearbeitet oder ob nur mit der Möglichkeit eines Krieges gerechnet wird. (…) Steht aber der Entschluß zur Demarche fest, dann müßte dieselbe im Hinblicke auf die militärischen Interessen in einem einzigen Akt mit kurzbefristetem Ultimatum geschehen, welchem, wenn er abschlägig beschieden wird, sofort der Mobilisierungsbefehl zu folgen hätte.

Nur wird Ö-U am 27. Juli den Deutschen erklären, dass es Serbien gar nicht vor dem 12. August angreifen kann …
Die Untersuchungen zum Mord, weisen für Wien auf Hintermänner in Belgrad hin.

aera-magazin.de: Berliner Tagblatt – Man nimmt hier an, die in Serajewo geführte Untersuchung werde in einer Woche abgeschlossen sein, das Ergebnis soll sofort veröffentlicht werden. Schon das bisherige Ergebnis der Untersuchung liefert, wie verlautet, Anhaltspunkte dafür, dass das Zentrum der in Bosnien betriebenen großserbischen Bewegung sich in Belgrad befindet. (…) Und die „Wiener Allgemeine Zeitung“ stellt fest, dass die serbischen Pressekundgebungen noch heftiger, noch hetzerischer und noch schamloser seien, als jene der letzten Tage.

9. Juli 1914 – Kieler Mieterverein gegründet und Österreich laviert

welt.de: Österreich kann sich auf keine Linie einigen Die Regierung kann sich nicht zwischen einem schnellen Militärschlag gegen Serbien und einem unannehmbaren Ultimatum entscheiden und fragt in Berlin nach.

Der Parteivorstand der österreichischen Sozialdemokraten tagt am 9. Juli 1914, aber die Ermordung des Thronfolgers Franz Ferdinand und seiner Frau sind kein Thema.

profil.at: Das Scheitern der Friedensparteien profil konnte jetzt die Protokolle der entscheidenden Sitzungen der österreichischen Sozialdemokraten in den letzten Friedenswochen des Jahres 1914 einsehen. Der Befund ist verblüffend: Die Spitze der großen Friedenspartei erkannte den Ernst der Lage viel zu spät. (…) Sie unterschätzten bis zuletzt die Gefahr eines Weltkrieges.

Kieler Nachrichten: Wut über Willkür und Wucher Krasse Wohnungsnot hatte zornige Kieler drei Wochen vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs zusammengebracht und angesichts von Mietwucher oder menschenunwürdigen Behausungen zum Handeln gezwungen: der Gründung des Kieler Mietervereins.

Der Vorwärts: Butter aus Muttermilch Eine Ungarin, deren Kind nach weniger Tagen starb, hat aus Not heraus ihre Muttermilch zu Butter verarbeitet und auf dem Markt verkauft.

8. Juli 1914 – Der ungarische Ministerpräsident widerspricht militärischen Plänen

kurier.at: Scharfe Töne – die Folgen des Attentats – Ungarns Ministerpräsident und Kriegsgegner Tisza teilt Kaiser Franz Josef schriftlich seine Bedenken gegen eine militärische Lösung mit und in serbischen und österreichischen Zeitungen gibt es scharf formulierte Artikel.

Echo online: Das geschah vor 100 Jahren – Waldbrände in Russland und der Kaiser reist nach Norwegen ab.

welt.de: Der britische Außenminister Edward Grey berät sich mit seinen Partnern – Während Frankreich auf Deeskalation setzt, will das Zarenreich unnachgiebig reagieren.

Kreuzzeitung: Die österreichisch-serbische Spannung In dem gestern in Wien zusammengetretenen gemeinsamen Ministerrat fand, wie ergänzend gemeldet wird, eine Beratung von Maßnahmen für die innere Verwaltung Bosniens und der Herzegowina statt.(…) Ein gegen Serbien gerichteter und im technischen Sinne als diplomatische Aktion zu bezeichnender Schritt sei nicht in Aussicht genommen.

Berliner Tagblatt: Probemobilisierung der englischen Flotte Insgesamt werden 493 englische Kriegsschiffe und Fahrzeuge Mitte des Monats mobilisiert werden. sie bilden 8 Geschwader von Linienschiffen, 1 von Schlachtkreuzern, 10 von Kreuzern, 13 Torpedozerstörerflottillen und 9 Unterseebootsflottillen. Hinzu kommen Minenleger, Kanonenboote und Hilfsschiffe.

Frankfurter Rundschau-Interview vom 18.12.2013 mit dem am 5. Juli 2014 verstorbenen Historiker Hans-Ulrich Wehler: Der Krieg war im Oktober 1914 verloren Deutschland hat als maßgeblicher Verbündeter Österreich-Ungarns diesem Staat das Grüne Licht für einen Schlag gegen Serbien und damit auch gegen dessen Hauptverbündeten Russland gegeben.

Die Presse: „Christopher Clark kann man nicht ernst nehmen“ – Der Historiker Dragoljub Zivojinovic von der Serbischen Akademie der Wissenschaften im Interview – Das Töten von politischen Führern, Kaisern, Königen, war nichts besonderes zu dieser Zeit, schon gar nicht am Balkan; Italiens König wurde 1900 getötet, der russischer Zar Alexander III, Sissi wurde ermordet, in Serbien König Alexander Obrenovic. (…) Franz Ferdinand wurde in seinem eigenen Staat von seinen eigenen Staatsbürgern getötet. Das war ziemlich klar, aber in Wien und Berlin hat man diese Situation einfach ausnützen wollen, um den Krieg anzufachen. Premier Pasic warnte sogar den österreichisch-ungarischen Finanzminister Billinski in Wien, dass etwas passieren könnte (…) 1910 war Franz Josef auf Besuch dort gewesen, und damals stand ein Soldat Schulter an Schulter mit dem nächsten.

7. Juli 1914 – Der Generalstab guckt auf russische Eisenbahnen

Der deutsche Generalstab aktualisiert seine Analyse zum russischen strategischen Eisenbahnprogramm und stellt fest, dass teilweise mehrgleisige Trassen aus dem Tiefen des Landes an den Grenzen zu Deutschland und Österreich-Ungarn zusammenlaufen.

Österreich-Ungarns Ministerrat ist mehrheitlich für einen Militärschlag gegen Serbien. Stabschef von Hötzendorf hatte zigmal die Jahre vorher einen Krieg gegen Serbien gefordert. Könnte jetzt aber gar nicht sofort loslegen, weil zu viele Soldaten auf Heimaturlaub in ihrer Landwirtschaft sind.

welt.de: Russland warnt Österreich-Ungarn, bremst aber auch Serbien

Blaue Narzisse: Historiker Sean McMeekin im Gespräch Es gab in allen der vier kontinentalen Hauptstädte, also Wien, Berlin, Petersburg und Paris, so etwas wie eine „Kriegspartei”. (…) Natürlich wollte Osterreich-Ungarns Außenminister Berchtold einen Waffengang mit Serbien nach den Ereignissen von Sarajevo. (…) Für meine Begriffe lag Berchtolds eigentliche Schuld in der ungeschickten Art seiner Diplomatie, dem Ultimatum und letztendlich der Kriegserklärung an Serbien (…) am 28. Juli 1914, einen Tag nachdem die Österreicher den Deutschen gestanden, sie könnten Serbien nicht vor dem 12. August angreifen!

6. Juli 1914 – Reise- und Flottenvorbereitungen

Anders als noch einen Tag zuvor, lässt Wilhelm II. nun doch mobilmachen, jedenfalls soll sich die Flotte vorbereiten, aber einen Krieg scheint man nicht zu sehen. Dann beginnt er seine übliche Sommereise nach Norwegen. Admiral Tirpiz ist auch im Urlaub.

welt.de: Neue verwirrende Nachrichten aus Potsdam „Russland werde für Serbien nicht eintreten, da der Zar die Königsmörder nicht stützen könne und Russland militärisch und finanziell nicht kriegsfertig sei.“ Das gelte auch für Frankreich.

Daher zeigte sich der Kaiser gewiss, dass die gegenwärtige Krise sich „in etwa acht Tagen klären werde“. Dennoch ordnete er an, dass die Flotte eine eventuelle Mobilmachung vorbereite – freilich „unter Vermeidung politischen Aufsehens“.

Verschwörungstheorien gab es auch schon vor 100 Jahren. Eine zu den Sarajewomorden war: Der wahre Attentäter sei ein illegitimer Sohn von Kronprinz Rudolfs gewesen, der Franz Ferdinand für den Mörder seines Vaters hielt.

Für die eher kleine Beerdigung Franz-Ferdinands und seiner Frau gibt es im Rückblick eine Erklärung.

nachrichten.at: Im Gewittersturm zur letzten Ruhestätte Mit dem späteren Gesamtblick des Historikers beurteilt Manfried Rauchensteiner das etwas differenzierter: „Auch das Ministerium des Äußeren wird in die Verantwortung mit einzubinden sein“, schreibt er. Denn es wollte in der aufdräuenden Krise „weder den Zaren noch den britischen König oder den französischen Staatspräsidenten in Wien haben.“

5. Juli 1914 – Hoyos-Mission und der Blankoscheck

Um Deutschland für seine Serbienbestrafungspläne zu gewinnen, schickte Österreich-Ungarn für den 5. und 6. Juli 1914 den Legationsrat Alexander Graf von Hoyos nach Berlin.

Die FR sieht schon in der Auswahl einen Trick (und später auch die Urlaubsreisen der Kaiser Wilhelm II. und Franz-Joseph als Ablenkungsmanöver.)

FR Online: Wien will den Krieg – Als Mann aus der dritten Reihe verkörperte er sozusagen die personifizierte Camouflage für das Ausland. Zugleich aber war er bei den politischen und militärischen Eliten Berlins „sehr gut bekannt für seine kriegerischen Umtriebe“, wie der Historiker Sean McMeekin schreibt.

Er kam mit dem sogenannten „Blankoscheck“ nach Wien zurück. Oder doch nicht? Die „Welt“ verweist auf verschiedene Deutungen der Gespräche:

welt.de: Wilhelms II. Blankoscheck, der gar keiner war – Falkenhayn fasste Wilhelms Worte anders zusammen. „Von einem kriegerischen Austrag“ spreche niemand; es sei der österreichischen Regierung nicht Ernst mit ihrer „immerhin entschiedeneren Sprache“

Wenn man dazu weiter liest, scheint es auch mit der deutschen Kriegslüsternheit (Kriegsrat 1912) nicht so weit zu sein. Oder man erkennt noch nicht die Chance? Hew Strachan sah 2004 in einem Spiegel Special das so:

Der Krieg des Kaisers: Die Teilnehmer am Kronrat legten eine Sorglosigkeit an den Tag, die mehr an grobe Fehlkalkulation als an einen großen Plan gemahnte, mehr an Pfusch als an Verschwörung. Kriegsminister Falkenhayn unterrichtete Moltke schriftlich über die Vorgänge, schrieb, eine eilige Rückkehr sei nicht nötig, und nahm Urlaub.

Wikipedia: Mission Hoyos – Audienz bei Kaiser Wilhelm Dennoch seien vor einem eventuellen Krieg noch zu viele Dinge zu klären, so dass in keinem Fall die nächsten Wochen eine Entscheidung bringen.[23] Als Falkenhayn ihn fragte, ob es notwendig sei, das Deutsche Heer zu mobilisieren oder zumindest bereitzuhalten, antwortete Wilhelm mit einem einfachen Nein.

Andererseits:

SpOn: „Ein schlimmer Tag für Deutschland“ – Admiral Alexander von Müller, der an der Reise teilnahm, schrieb in sein Tagebuch, auf der Fahrt von Potsdam nach Kiel sei die Lage „nach dem beabsichtigten Einmarsch der Österreicher nach Serbien“ im Speisewagen des kaiserlichen Sonderzuges „ununterbrochen“ diskutiert worden.

Und noch was zur Kriegsbegeisterung.

kurier.at – Treu an der Seite Österreichs: Kriegsbegeisterung war laut Historiker Dornik vor allem im städtischen Bürgertum, aus dem viele Redakteure kamen, weit verbreitet. Die Arbeiter und die arme Landbevölkerung waren hingegen wenig euphorisch.

Linktipps: 4. Juli 1914

Da ja keiner was aus dem kleinen Blog mit dem hübschen Namen „neun10vier10“ machen will, gibt es jetzt halt +/- regelmäßig Links zur damaligen Lage:

www.aera-magazin.de, Berliner Tagblatt vom 4. Juli 1914: Die Trauerfeier in Wien – Die Leichen des Erzherzogs und der Herzogin wurden abends 10 Uhr 50 Minuten in Begleitung des Hofstaates des Erzherzogs nach Groß-Pöchlarn übergeführt und werden mit der Fähre um 2 ½ Uhr nachts über die Donau nach Artstetten gebracht und in der Pfarrkirche aufgebahrt werden.

Und im nächsten Link wird erklärt, wer hinter diesen Nachtransporten steckte und dass das nicht alle gut fanden.

profil online: Trauerfeier für den ermordeten Thronfolger und seine Frau Ausländische Beobachter im nur sehr kurz geschockten Wien mussten den Eindruck gewinnen, die Attentäter von Sarajevo hätten ohnehin nur einen ungeliebten Außenseiter ermordet, die Aufregung werde sich bald legen.

welt.de: Frankreichs Staatspräsident vergleicht die Verschwörung gegen Franz-Ferdinand mit einem Einzelattentat Szécsen verstand, was Poincaré sagen wollte: Wien solle sich nicht so haben, es handele sich eben um einen bedauerlichen Zwischenfall.

NZZ: Zur Aktualität von 1914 – Die Rückkehr der Schlafwandler – Obwohl 2014 augenscheinlich wenig mit 1914 gemein hat, gibt es eine entscheidende Übereinstimmung: das Risiko, dass ein zunehmend komplexes sicherheitspolitisches und politisches Umfeld für Politiker von durchschnittlichem Format überwältigend ist. Bevor ihnen die Risiken bewusst werden, könnte die Lage ausser Kontrolle geraten.

FR online: Das Erbe des Ersten Weltkriegs – Die Ursachen für die Krisen und Kriege in den postimperialen Räumen der europäischen Peripherie gehen zurück bis auf den Ersten Weltkrieg.

28. Juni 1914 – Eine Granate und tödliche Schüsse auf den habsburgischen Thronfolger

Der 28. Juni 1914 war ein Sonntag: Der österreich-ungarische Thronfolger Franz-Ferdinand und seine Frau Sophie werden während eines Sarajewobesuchs gegen 10.45 Uhr angeschossen und sind eine Viertelstunde später tot.

Das Unglaubliche für mich an dem Attentat von Sarajevo vor genau 100 Jahren ist aber das Vorspiel und der Tagesablauf damals.

Der Besuchstag ist ein serbischer Gedenktag (Schlacht auf dem Amselfeld, 1389), Serbien ist eh scharf auf die Provinz, es gab Warnungen vor Attentätern (Nikola Pašić: Der serbische Premier, der mehr wusste, als ihm lieb war) und nachdem ein Attentäter sich nicht traute, und ein anderer gegen 10 Uhr eine Granate auf den Thronfolger in seinem Auto geworfen hatte (die dahinter explodierte), wurde der Besuch nach einer Pause fortgesetzt. Man änderte zwar die Route, aber das bekam Fahrer Leopold Lojka nicht mit, sodass bei einem Wendemanöver das Auto steht – und ein weiterer Attentäter, der schon aufgesteckt hatte, Franz-Ferdinand und Sophie tödlich verletzten kann.

Und: Franz-Ferdinands Frau war für die Habsburger von zu niederem Adel (auch wenn es böhmischer Uradel war), sodass sie am Hofe weitgehend unerwünscht und die Kinder von der Thronfolge ausgeschlossen waren. Während sie bei vielen Anlässen in Wien nicht dabei sein durfte, ausgerechnet in Sarajevo war sie dabei (der Tag war halt auch der Hochzeitstag).