Wahlversprechen gehalten

Manchmal lohnt sich ja ein Blick ins Archiv. „Wir machen regelmäßig Bürgerversammlungen“, versprach der Stadtrat, „jedes halbe Jahr rotierend in den Stadtteilen.“

Das war der Sozialdezernent Jochen Partsch im Wahlkampf 2011. Nun, wenn ich mich nicht ganz verzählt habe, waren es in Darmstadt seit 2011 neun Bürgerversammlungen. Also: Wahlversprechen gehalten.

Von wegen, ich würde die grün-schwarze Stadtregierung nur kritisieren.

Wird der Teilchenbeschleuniger FAIR die Darmstädter Elbphilhamonie?

Der Teilchenbeschleuniger FAIR, der zur Zeit bei der Darmstädter GSI gebaut wird, soll 260 Millionen Euro teurer als geplant werden. “Ein Plus von knapp 50 Prozent”, meldet die Wirtschaftswoche. Und ob der Bau bis 2018 fertig wird, sei auch unsicher. Die WiWo bezieht sich auf einen Bericht des Bundesrechnungshofes.

Bei FAIR geht es um Grundlagenforschung, aber dass die auch was bringt zeigt die Partikeltherapie, die vor einigen Jahren an der GSI entwickelt wurde.

Kostenexplosion beim Projekt “Fair”: Das Darmstädter Bau-Desaster

Wie Arbeitgeber so ticken


Vielleicht sollte man manchmal die Stellenanzeigen von Firmen lesen, um zu erfahren, wie die eigentlich ticken: Da sucht eine Politik-Redaktion einen Redakteur. Unter anderem sollen der oder die folgendes können:

– komplexe Themen überraschend zuspitzen
– Texte so redigieren, dass sie Menschen zum Handeln motivieren

Man verändere mit seiner Arbeit Politik und Gesellschaft und trage zu mehr sozialer Gerechtigkeit, ökologischer Nachhaltigkeit, Toleranz und Gleichberechtigung bei, geht der Text in der Stellenanzeige weiter.

Und:

Sie arbeiten in einer NGO, die unabhängig von Machtpolitik und Wirtschaftsinteressen agiert (…)

Sorry, nein. Das nun gerade nicht, Weiterlesen

5. Januar 1914 – Krise wegen eines Darmstädters in der Türkei

Im Neujahrsrückblick auf 1913 hatte das Deutsche Reich die Entsendung einer deutschen Militärmission nach Konstantinopel als prima Sache gesehen. Russland irgendwie nicht. Klar, denn die spechteten ja schon die ganze Zeit nach den türkisch kontrollierten Meerengen am Schwarzen Meer. Und ein schwaches Osmanisches Reich war da natürlich besser. Und jetzt kamen die Deutschen – auf der Suche nach Partnern.

Russland war nicht nur aus militärischen Gründen auf den Schwarzmeerausgang scharf, im Durchschnitt liefen zwischen 1903 und 1912 37 Prozent der russischen Exporte über Bosporus und Dardanellen, es war also auch eine Handelsstraße, die sie nicht unter Kontrolle hatten.

Der russische Botschafter in Paris, Alexander Iswolski, telegrafiert am 5.1.1914 seinem Zaren Nikolaus II., dass Frankreich bei der Lösung der Krise loyal zu Russland stehe. Und der russische Außenminister Sergei Sasonow plädiert in einer Denkschrift dafür, den Einfluss der Deutschen im Osmanischen Reich mit allen Mitteln zurückzudrängen. Mit allen Mitteln bedeutet hier auch Krieg.

Die Militärmission war am 28. Oktober 1913 vertraglich geregelt worden und am 9. Dezember vom Kaiser in einer Geheimaudienz verabschiedet worden. Als Ziele hatte Wilhelm II. Einfluss auf die türkische Armee und die Stärkung des militärischen Gleichgewichts gegenüber Russland genannt. 1912 war der englische Admiral Limpus mit der Reorganisation der osmanischen Marine beauftragt worden.

Die Liman-von-Sanders-Krise ist nach dem Chef der deutschen Militärmission, Otto Liman von Sanders, benannt. Er war am 14.Dezember 1913 nach Konstantinopel gekommen, um das osmanische Militär neu zu organisieren und übernahm wie vereinbart das Kommando über das türkische 1. Armeekorps um daraus ein Musterkorps zu formen.

Auf internationaler Ebene kommt es zu Beratungen und Mitte Januar wird es eines Konferenz geben.

Und mit ihm kommt der Darmstadtbezug: Weiterlesen

Bildschirm-OCR

Manche Websites und PDFs sind gegen copy & past geschützt. Sagt mal einer den Leuten, die das machen, dass es inzwischen Programme für Bildschirm-OCR gibt? Die, wie zum Beispiel screenshotreader.abbyy.de, erkennen recht zuverlässig Texte, auch wenn sie nur auf Bildschirmen angezeigt werden.

Ab und an ist der Abby-Screenshotreader in Download-Adventskalendern, aber kostet auch nur um die 10 Euro, wenn man nicht warten und hoffen will.

[anbieter]istbloed

Haha, da muss ich mich für ein PC-Programm registrieren – und den Usernamen [anbieter]istbloed hat schon einer. Es ist eine 2-3 Jahre alte, kostenlose Vollversion in einer Zeitschrift und es wird so getan, als würde ich brandheiße Ware bekommen.

Ein Terrorbefürworter wird auf dem Darmstädter Hauptbahnhof zitiert

Der Büchner zugeschriebene Satz auf dem Darmstädter Hauptbahnhof lautet im französischen original “C’est ici sans doute qu’il nous faut quelque courage et quelque grandeur d’âme” und stammt von Robespierre.

Wie es der Zufall will, stelle ich heute – exakt an Georg Büchners 200. Geburtstag – fest, dass der Satz, der zur Zeit auf dem Darmstädter Hauptbahnhof steht, gar kein Büchnerzitat oder ein von ihm erdichteter Satz ist.

Der Satz „Wir alle haben etwas Mut und etwas Seelengröße nötig“ stammt im Original von Maximilien de Robespierre, dem Terror-Befürworter während der der Französischen Revolution. Büchner lässt Robespierre den Satz in seinem Stück „Dantons Tod“ sagen.

Robespierre hatte „C’est ici sans doute qu’il nous faut quelque courage et quelque grandeur d’âme“ im „Discours au sujet de l’arrestation de Danton et de ses complices“ gesagt. Glücklicherweise an einem 31. März vor 219 Jahren, sodass dieses Jubiläum nicht auch noch stattfindet.

Leider ist mein Französisch für weitere Zusammenhänge zu schlecht, laut dem Marburger Büchnerforscher Burghard Dedner forderte Robespierre den aufrechten Gang – zur Guillotine (natürlich von den anderen):

Schwäbisches Tagblatt: Ein Gespräch mit dem Germanisten Burghard Dedner – Es gibt ein schönes Beispiel, wie das bis heute missverstanden wird. Am Darmstädter Bahnhof steht derzeit: "Wir alle haben etwas Mut und etwas Seelengröße nötig." Das steht in "Danton", ist aber Originalton Robespierre, der fordert, man solle aufrechten Ganges zur Guillotine schreiten.

Und in der Frankfurter Rundschau macht Dedner dezent Werbung für die historisch-kritische Georg-Büchner-Ausgabe „Sämtliche Werke und Schriften“ die er mitherausgibt:

FR: „Büchners Handschrift ist kaum zu lesen“ – Wenn am Bahnhof einer großen deutschen Stadt ein Banner aufgehängt wird, auf dem steht: „Wir alle haben etwas Mut und etwas Seelengröße nötig“, dann hätte man bei uns bequem nachlesen können, dass der Satz nicht von Büchner, sondern von Robespierre stammt.