Föderalismus ist eben am besten, wenn alles schön einheitlich ist

Wenn man manche Kerbreden so hört, könnte man auf die Idee kommen, jeder Stadtteil hätte am besten seinen eigenen Bürgermeister. Dann würde es gleich viel besser laufen. Jeder löst die Probleme bei sich, weil man doch am besten weiß, was die Leut‘ im Ort wollen. Föderalismus wird in Deutschland schließlich großgeschrieben. Vergangenes Jahr feierte Eberstadt 1225. Geburtstag. Dass es vor heute 76 Jahren nach Darmstadt eingemeindet wurde, wurde lieber nur am Rande erwähnt. Arheilgens Eingemeindung hatte man ebenfalls nicht groß gefeiert, bloß nicht an den Gefühlen rühren. Und auch beim 120. Jubiläum der Eingemeindung Bessungens nach Darmstadt wurde Sprüche über das Miteinander geklopft.
Natürlich sollte man sich absprechen beim Föderalismus. Ein wenig zumindest. Zieht man von Berlin nach Darmstadt, sollte das Kind ohne Schwierigkeiten die Schule wechseln können. Ebenso wäre ein Einheitsabitur prima, damit es in der Schule gerecht zugeht. Schön wäre auch, wenn die Läden alle einheitlich offen haben, damit man weiß woran man ist und nicht vor verschlossenen Türen steht. Ist ja sonst nur Chaos. Eine einheitliche Besteuerung ist ganz wichtig, wäre ja noch schöner, wenn andere weniger Steuern zahlen als wir. Und beim Rauchverbot in Kneipen ist es doch angenehmer, dass die Länder sich einigen, anstelle dass jeder sein Feuerchen abbrennt. Man man kann sich doch nicht jeden Kleinkram merken. Ja, Föderalismus ist eben am besten, wenn alles schön einheitlich ist.