13. Juli 1914 – “Attentat in Belgrad beschlossen und unter Mitwirkung serbischen Staatsbeamten vorbereitet”

Sektionsrat Friedrich von Wiesner telegrafiert seine Ermittlungsergebnisse nach Wien und sieht hinreichend Hinweise auf Drahtzieher in der serbischen Hauptstadt Belgrad – aber eine Mitwissenschaft der serbischen Regierung “durch nichts erwiesen”. Auch auf die “Narodna Odbrana“, die zur “Schwarzen Hand” Verbindungen hat, stößt der Ermittler vor, aber nicht bis Dragutin “Apis” Dimitrijević.

Sektionsrat von Wiesner an das k. u. k. Ministerium des Äußern: Material aus Zeit vor Attentat bietet keine Anhaltspunkte für Förderung der Propaganda durch serbische Regierung. Dafür, daß diese Bewegung von Serbien aus, unter Duldung seitens serbischer Regierung, von Vereinen genährt wird, ist Material, wenn auch dürftig, doch hinreichend.

Untersuchung über Attentat.
Mitwissenschaft serbischer Regierung an der Leitung des Attentats oder dessen Vorbereitung und Beistellung der Waffen durch nichts erwiesen oder auch nur zu vermuten. Es bestehen vielmehr Anhaltspunkte, dies als ausgeschlossen anzusehen.

Durch Aussagen Beschuldigter kaum anfechtbar festgestellt, daß Attentat in Belgrad beschlossen und unter Mitwirkung serbischen Staatsbeamten Ciganovic’ und Major Tankosic’ vorbereitet, von welchen beiden Bomben, Brownings, Munition und Zyankali beigestellt. Mitwirkung, Pribicevic’ nicht festgestellt, und beruhen die ersten Meldungen hierüber auf bedauerlichem Mißverständnisse erhebender Polizeiorgane.

Ursprung Bomben aus serbischem Armeemagazin Kragujevac objektiv einwandfrei erwiesen, doch keine Anhaltspunkte dafür, daß erst jetzt ad hoc Magazinen entnommen, da Bomben aus Vorräten Komitadschis vom Kriege stammen können.

Auf Grund Aussagen Beschuldigter kaum zweifelhaft, daß Princip, Cabrinovic, Grabez mit Bomben und Waffen auf Veranlassung Ciganovic’ von – serbischen Organen geheimnisvoll über Grenze nach Bosnien geschmuggelt. Diese organisierten Transporte von Grenzhauptmännern Schabatz und Loznica geleitet und von Finanzwachorganen durchgeführt. Wenn auch: nicht festgestellt ob diese Zweck der Reise kannten, mußten selbe doch geheimnisvolle Mission annehmen.

Sonstige Erhebungen nach Attentat geben Einblick in Organisierung der Propaganda der “Narodna odbrana”. Enthalten wertvolles verwertbares Material, das jedoch noch nicht nachgeprüft; schleunigste Erhebungen im Zuge.

Milan Ciganovic war Exilbosnier und serbischer Eisenbahnbeamter. Er hatte den Attentätern serbische Pistolen und Bomben beschafft. Voja Tankosic war serbischer Major und ein persönlicher Berater Apis’ und hatte den Attentätern das Schießen beigebracht.

Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt: Graf Berchtold teilt durchaus die Ansicht, daß die Ergebnisse der Untersuchung in Sarajevo nicht im einzelnen, sondern Richtung serbischer Politik und ihre Folgen zusammenfassend darzustellen sein werden.

Minister ist jetzt selbst überzeugt, daß schnellstes Handeln geboten ist. Er hofft morgen mit Tisza über Wortlaut der an Serbien zu richtenden Note ins Reine zu kommen, würde diese dann Mittwoch, den 15. Juli, dem Kaiser in Ischl unterbreiten (…)

In Frankreich kritisiert der Senator Charles Humbert Ausstattung und Ausrüstung französischer Forts: Schlechter Zustand, zuwenig Munition und Artillerie der deutschen unterlegen. Sowie:

Christopher Clark: Die Schlafwandler – Ein Detail erregte vor allem Aufsehen in der französischen Öffentlichkeit, insbesondere bei den Müttern der Nation: Die Armee litt unter einem jämmerlichen Mangel an Stiefeln