Die momentane Corona-Soforthilfe für Solo-Selbstständige ist zu oft unrealistisch

SARS-CoV-2, Darstellung des Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Foto: Alissa Eckert, MS, Dan Higgins, MAMS

Ich bin jetzt ja nicht so der Petitionen-Teiler, aber bei der mache ich jetzt die große Ausnahme.

Die Corona-Soforthilfe des Staates ist für viele realitätsfern. Nicht jeder Selbstständige dreht das große Rad und setzt im Jahr 100.000 Euro um. Manche müssen so arbeiten, weil sie anders keinen Job bekommen, andere, weil sie so am besten arbeiten können – aber sie arbeiten und wollen kein ALG II.

Das Problem: Die Corona-Soforthilfe für Solo-Selbstständige deckt bislang nur Betriebskosten ab.

Wer keine oder kaum welche hat, weil er die bewusst niedrig hält/halten muss, und jetzt kein Einkommen hat, weil er wegen Anti-Pandemiemaßnahmen keine Aufträge bekommt, kann nur ALG II beantragen.

Was nicht unbedingt hilfreich ist, denn mit Hartz IV lohnt es sich kaum Aufträge anzunehmen, weil man dann massive Abzüge hat. 100 Euro pro Monat sind frei, von jedem Euro darüber bleiben einem nur 20 Cent. Und das wird nachträglich genau aufs ALG II angerechnet.

Die Petition fordert, dass die die Hilfen verlängert werden und neben den Betriebskosten rückwirkend auch einen Unternehmerlohn berücksichtigen, der Lebenshaltung, Miete und Krankenversicherung mit abdeckt.

Ach so, wer sich fragt, warum die Selbstständigen keine Rücklagen für drei Monate haben: Nun, bei manchen sind die Honorare halt so niedrig, dass man nicht dazu kommt, Geld für sowas zurückzulegen.

Es kommt zwar mehr dabei rum als Mindestlohn, sodass man nicht mit ALG II aufstocken muss (und es sich alleine deswegen schon lohnt was zu tun), aber eben auch nicht so viel, dass man neben Miete, Krankenversicherung, Altersvorsorge (mehr oder weniger) auch noch eine Art Arbeitslosengeld I zurücklegen kann.

Deutscher Bundestag: Petition 111001 – Verlängerung und rechtssichere Ausgestaltung von Soforthilfen für Selbstständige

Und mal ganz ehrlich: So ein ALG II-Antrag ist (vielleicht mit Absicht) ziemlich abschreckend-bürokratisch gestaltet. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Formulare auch dazu beitragen, dass Menschen auf der Straße landen. Weil sie damit überfordert sind, sie auszufüllen. Also lassen sie es, können irgendwann die Mieter nicht mehr zahlen. Und zum Ablauf, der mit Wohnungsräumung endet, muss man ja selbst nichts beitragen. Das passiert wie von selbst.