Live – Wen stören da schon 7495 Kilometer?

Die ARD berichtet über den Tsunami auf Samoa – das liegt im südwestlichen Pazifik. Der Reporter berichtet dazu “live” – aus Tokio … Ist ja ums Eck – im nordöstlichen Pazifik – nur 7495 Kilometer liegen dazwischen.

Mario Schnitt berichtet live aus Tokio übers 7495 Kilometer entferne Samoa.

Aus Tokio zu berichten ist für mich ja in Ordnung, ist halt gerade kein ARD-Reporter auf Samoa. Aber “live” muss man da nicht betonen, denn das finde ich so albern, wie wenn ich jetzt “live” aus Darmstadt übers Münchener Oktoberfest bloggen würde. Undf das wäre nur rund 400 Kilometer entfernt.

Äpfel, Birnen und Nebelkerzen

Meedia berichtet über eine Pressekonferenz der ARD-Intendanten zum Skandal um erfundene Drehbuchautoren beim NDR:

ARD-Programmchef Volker Herres, machte kein Hehl daraus, dass er die Medienberichterstattung im Fall Heinze für aufgebauscht hält, schließlich gebe es ja noch “Afghanistan und die Finanzkrise”.

Herres erinnerte an die Affäre um erfundene Interviews, die Tom Kummer im “SZ-Magazin” platzieren konnte.

Darf ich daraus schließen, dass alle hiesigen Unregelmäßigkeiten solange ok sind, solange in Afghanistan deutsche Soldaten sterben (weswegen die Bundeswehr auch dort bleiben muss)? Oder dass alle hiesigen Unregelmäßigkeiten ok sind, solange Banken ihre Kunden falsch beraten und abzocken?

Und: Der Vergleich mit dem SZ-Magazin ist eine Nebelkerze. Wenn das Magazin mich wegen seiner Kummer-Interviews stört, dann kaufe ich es (oder die SZ) einfach nicht mehr. Das kann ich mit meinen Rundfunkgebühren nicht machen. Es sei denn, ich schaffe Radio, Fernseher und meinen internetfähigen Computer ab. Das wäre dann so, als dürfte ich gar keine Zeitung oder Zeitschrift mehr kaufen, weil ich wegen der Kummer-Interviews keine SZ mehr kaufen will.

ÖR mit R wie Reptilienfond?

Wenn man so auf einige ÖR-Affären zurückblickt, kann man den Eindruck bekommen, Mitarbeiter beim HR und NDR hatten das R als Akronym für “Reptilienfond” gedeutet. Und wegen einer Geschichte beim Mitteldeutschen Reptilienfond , geht es diese Woche wegen möglicher Bestechlichkeit vor Gericht. Nachtrag: Oder doch nicht: Die Welt weiß was von einem Vergleich kurz vor Prozessbeginn: Demnach zahlt er dem MDR bis zum 1. Oktober 380.000 Euro, davon sind 50.000 Euro für den juristischen Aufwand.

TAZ – System Nimmersatt – Am Donnerstag beginnt vor dem Leipziger Landgericht der Prozess gegen den früheren MDR-Sportchef

Und zum NDR gibt es auch wieder was:
SpOn: Suspendierte NDR-Fernsehspielchefin fristlos entlassen
Hamburger Abendblatt: Ombudsmann soll Korruption verhindern